90.000 Alleinerziehende in Sachsen sind erwerbstätig

Unter den
abhängig Beschäftigten, Selbstständigen und Freiberuflern sind in Sachsen
90.000 alleinerziehende[1] Erwerbstätige, darunter
76.000 Mütter und 14.000 Väter. Von diesen Alleinerziehenden arbeiten viele
auch in den so genannten Kritischen Infrastrukturen, also jenen
Wirtschaftssektoren, deren Aufrechterhaltung als systemrelevant gilt.[2] Eine Gesamtzahl lässt sich
auf Grundlage der statistischen Daten nicht angeben. Doch allein im
Gesundheitswesen (ohne Heime und Sozialwesen) arbeiten in Sachsen 9.000
Alleinerziehende, im Gesundheits- und Sozialwesen insgesamt 20.000. Ebenfalls
9.000 Alleinerziehende arbeiten im Bereich Erziehung und Unterricht. 12.000
Alleinerziehende sind im Handel tätig, von dem Teilbereiche zu den Kritischen
Infrastrukturen zählen, 5.000 in der öffentlichen Verwaltung. Das geht aus der
Antwort des Statistischen Bundesamts auf eine Anfrage der sächsischen Abgeordneten
Sabine Zimmermann (DIE LINKE.) hervor. Zimmermann ist auch Vorsitzende des
Ausschusses für Familie, Senioren, Frauen und Jugend.

Zwar ähnlich,
aber nicht identisch sind die bundesrechtliche Definition Kritischer
Infrastrukturen einerseits[3] und die Regelungen der
Länder andererseits. Letztgenannte sind maßgeblich für den Zugang zur
Notbetreuung. Teils verweisen die Länderregelungen auf die BSI-Kritisverordnung
des Bundes, Sachsen hingegen hat eine eigenständige Regelung in der Anlage 1
zur Allgemeinverfügung vom 17.4.2020 „Vollzug des Infektionsschutzgesetzes – Maßnahmen
anlässlich der Corona-Pandemie – Einstellung des Betriebs von Schulen und der
Kindertagesbetreuung“ getroffen.[4]

In Sachsen können
Personen, die in den nach Landesrecht definierten Kritischen Infrastrukturen
arbeiten, die Notbetreuung für ihre Kinder nutzen, wenn sie aufgrund
dienstlicher und betrieblicher Gründe an der Betreuung gehindert sind. Alleinerziehende
und Elternteile, deren Partner die Betreuung nicht übernehmen kann, können unter
dieser Voraussetzung die Notbetreuung auch dann nutzen, wenn sie in einer Reihe
weiterer beziehungsweise weiter gefasster Branchen arbeiten, beispielsweise
Gesundheit und Pflege insgesamt sowie Schuldienst und Kindertagesbetreuung.
Eine Öffnung der Notbetreuung für alle Alleinerziehenden ist in Sachsen nicht
erfolgt, während andere Bundesländer die Notbetreuung insoweit öffnen wollen
oder bereits geöffnet haben.

Zimmermann
erklärt zu den Zahlen des Statistischen Bundesamts: „Für Alleinerziehende ist
es in diesen Zeiten ein noch größeres Problem, die Kinderbetreuung zu organisieren,
als für Elternpaare. Deshalb sollte die Landesregierung dem Vorbild anderer
Länder folgen und für alle berufstätigen Alleinerziehenden in Sachsen die
Notbetreuung öffnen. Auf Bundesebene braucht es für alle Eltern, die ihre
Kinder nicht in die Notbetreuung geben können oder wollen, eine Absicherung des
Einkommens, wenn sie die Betreuung selbst übernehmen. Außerdem muss es auch
nach Ende der Pandemie bessere Betreuungsmöglichkeiten an Wochenenden und zu
Randzeiten geben. Im Gegenzug müssen aber Wochenend- und Nachtarbeit allgemein deutlich
eingeschränkt werden.“

Zimmermann
weiter: „Die Corona-Pandemie zeigt uns, welche wichtige Arbeit Alleinerziehende
in unserer Gesellschaft leisten, viele von ihnen in systemrelevanten Bereichen.
Doch statt Ihnen unter die Arme zu greifen, bürdet ihnen die Bundesregierung
mit der Covid-19-Arbeitszeitverordnung noch mehr Arbeitsbelastung auf. Die
Kinder bekommen dann ihre Mutter oder ihren Vater gar nicht mehr zu Gesicht.
Hinzu kommt die körperliche und psychische Belastung für alleinerziehende
Eltern durch überlange Arbeitszeiten neben Haushalt und Kindererziehung. Es
trifft ausgerechnet diejenigen, die schon in der Vergangenheit mit Arbeitszeitverstößen,
Überstunden und miserabler Bezahlung zu kämpfen hatten. Die Ausweitung der
Arbeitszeiten muss unverzüglich rückgängig gemacht werden.“


[1]
Zur Definition Alleinerziehender: Auch volljährige Kinder, die mit ihrem
Elternteil in einem gemeinsamen Haushalt leben, sind hier berücksichtigt,
sofern sie unverheiratet sind und nicht ihrerseits Kinder haben. Als Kinder
gelten im Mikrozensus – neben leiblichen Kindern – auch Stief-, Adoptiv- und
Pflegekinder, sofern die zuvor genannten Voraussetzungen vorliegen.

[2] Die statistischen Daten für
alleinerziehende Erwerbstätige orientieren sich an der Klassifikation der
Wirtschaftszweige. Die Sektoren der Kritischen Infrastrukturen sind nicht
deckungsgleich mit Wirtschaftszweigen im Sinne der Klassifikation, sodass nur
in Teilbereichen eine näherungsweise Gleichsetzung einzelner Branchen möglich
ist. Für viele Wirtschaftszweige liegen aufgrund der geringen Fallzahlen keine
statistisch verwertbaren Daten vor.

[3] https://www.gesetze-im-internet.de/bsi-kritisv/BSI-KritisV.pdf

[4] https://www.coronavirus.sachsen.de/download/Anlage1-SMS-AllgVerf-Schulen-Kitas-2020-04-17.pdf;
https://www.coronavirus.sachsen.de/download/SMS-AllgVerf-Schulen-Kitas-2020-04-17.pdf

Unter den abhängig Beschäftigten, Selbstständigen und Freiberuflern sind in Sachsen 90.000 alleinerziehende[1] Erwerbstätige, darunter 76.000 Mütter und 14.000 Väter. Von diesen Alleinerziehenden arbeiten viele auch in den so genannten Kritischen Infrastrukturen, also jenen Wirtschaftssektoren, deren Aufrechterhaltung als systemrelevant gilt.[2] Eine Gesamtzahl lässt sich auf Grundlage der statistischen Daten nicht angeben. Doch allein im Gesundheitswesen (ohneRead More