Anke Domscheit-Berg, MdB: Das digitale Klassenzimmer im Verstehbahnhof Fürstenberg

Hier bekommen Lehrkräfte professionelle Ausstattung und technische Betreuung – Foto: Anke Domscheit-Berg 

Nach mehr als 800 Stunden ehrenamtlicher Arbeit im November und Dezember konnte am 4. Januar 2021 ein voll ausgestattetes Video- und Tonstudio im Keller des Verstehbahnhofs in Fürstenberg/Havel seinen Betrieb aufnehmen – als digitales Klassenzimmer. Dort nutzen seither Lehrkräfte der Region die perfekte Ausstattung und den technischen Support vor Ort für digitalen Unterricht unter Lockdown Bedingungen. 

Zeigen wie es geht

Dank professioneller Beleuchtung, vorinstallierten Videokameras, einer Dokumentenkamera und Smartboard, sind kleine Unterrichtseinheiten schnell aufgezeichnet oder werden direkt per Livestream auf die Laptops der Schüler:innen übertragen. Videokonferenz- und Bildungsserver sowie ein Cloud Dienst zur Speicherung der aufgenommenen Videos werden vor Ort gehostet, in einem gemeinwohlorientierten Teil eines lokalen Rechenzentrums, den der Trägerverein des Verstehbahnhofs, havel:lab e.V. betreibt. Dadurch ist der Datenschutz sichergestellt und Kosten fallen auch keine an. 

Am Thema ‚Digitale Bildung‘ versucht sich die Bundesregierung zwar seit einiger Zeit, aber leider fehlt es trotzdem noch fast überall an ausreichendem Fortschritt. Vor allem fehlt weiterhin die nötige Infrastruktur, also schnelles Internet überall. Als netzpolitische Sprecherin der Linksfraktion habe ich die Versäumnisse der Bundesregierung unzählige Male im Bundestag thematisiert. Aber für mich heißt links sein auch, dass man nicht nur kritisiert, sondern auch mit anpackt, um Probleme vor Ort zu lösen. Den Verein havel:lab habe ich vor einigen Jahren mitgegründet, auch beim Projekt Verstehbahnhof war ich von der ersten Stunde an involviert. Soweit es mir zeitlich möglich war, habe ich auch beim Ausbau des digitalen Klassenzimmers selbst Hand angelegt, Putz von der Wand geschlagen oder mich beim Trockenbau nützlich gemacht.

Digitales Lernen und Lehren im Lockdown

Mit dem gemeinnützigen Video- und Tonstudio haben die Ehrenamtler:innen rund um den Verstehbahnhof ein weiteres Projekt realisiert, um Produktionsmittel zu demokratisieren und politische Defizite lokal auszugleichen. Nachdem vom Verstehbahnhof während der Pandemie bereits 20.000 Gesichtsvisiere ausgegeben werden konnten und im Herbst CO2-Ampeln für Klassenzimmer entstanden, ging es diesmal darum, digitales Lernen im Lockdown zu unterstützen.

Damit sich Lehrkräfte auf das Pädagogische konzentrieren können, kümmert sich eine Bundesfreiwillige in Vollzeit für die technische Betreuung. Sie kann auch dafür sorgen, dass bei Aufnahmen vor einem neutralen Greenscreen ein virtueller Hintergrund eingeblendet wird, z.B. eine verschneite Landschaft bei einer Lehrerin, die ihrer zweiten Klasse das Frau Holle Märchen vorlas, oder eine dynamische Wetterkarte – ganz wie im Fernsehen – bei der Lehrerin, die ihren Kinder das Wetter erklärte. 

Großer Kraftakt, große Wirkung

Das hochprofessionelle Produktionsstudio wurde in nur 10 Wochen, mit finanzieller Förderung durch die Deutsche Stiftung für Engagement und Ehrenamt aus Neustrelitz aufgebaut. Ehrenamtliche, allen voran mein Mann, arbeiteten dafür fast rund um die Uhr, auch an Sonntagen, den Feiertagen um Weihnachten oder Neujahr, damit der Start zum Schulbeginn im neuen Jahr möglich war. Es waren umfangreichen Umbauarbeiten notwendig, um beispielsweise den Boden akustisch zu entkoppeln und trotz vorbeifahrender Züge die Tonqualität des Studios zu sichern. Fenster gibt es keine im Aufnahmestudio, aber professionelle Luftfilter und ein ausgeklügeltes Hygienekonzept sorgen dafür, dass die Nutzung für alle sicher ist.

Ich bin sehr stolz darauf, Teil dieses engagierten Teams zu sein und in Pandemiezeiten echte digitale Bildung zu ermöglichen. Ein großer Dank geht auch an die vielen Fachleute aus ganz Deutschland, die uns ehrenamtlich mit Rat und Tat zur Seite standen. Was im Oktober als verrückte Idee begann, ist nun Realität und kann sich zeigen lassen. Wir hoffen auf vielfältige Nachahmung, denn Zugang zu Bildung sollte nicht nur vom Wohnort der Kinder abhängen. Künftig wird das Studio auch für weitere gemeinnützige Zwecke zur Verfügung stehen, z.B. wenn Vereine Videos drehen wollen, der Ortsfußballverband Spiele oder die Kirche ein Weihnachtskonzert livestreamen will. 

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