Anke Domscheit-Berg, MdB: Digitale Bildung ist Zukunftsaufgabe

Seit gut einem Jahr ist Beate Kostka die Vorsitzende der Geschäftsführung der Agentur für Arbeit Neuruppin, welche zuständig ist für die Kreise Havelland, Oberhavel, Ostprignitz-Ruppin und die Prignitz und damit bundesweit der größte Agenturbezirk ist. Als ich in der Lock-Down Phase der Pandemie ein längeres Telefonat mit ihr führte, um mich über die Auswirkungen auf den regionalen Arbeitsmarkt zu informieren, kamen wir auch auf das Thema digitale Bildung und verabredeten ein persönliches Treffen im Verstehbahnhof, das am Mittwoch stattfand.

Beate Kosta wollte mehr über die Aktivitäten dieses ganz besonderen Bildungsortes erfahren, denn die Arbeitsagentur ist auch im Bereich berufliche Bildung und Erstausbildung von Jugendlichen tätig. Sie will auch das Entstehen sinnvoller Vernetzungen von Akteuren vor Ort unterstützen, die gemeinsam zur Entwicklung der Region beitragen können – denn auch das sieht sie als ihre Verantwortung: einen Beitrag dazu zu leisten, dass Jugendliche die ländliche Region nicht verlassen.

Einer der Hauptakteure des Verstehbahnhofs ist mein Ehemann Daniel, deshalb war er natürlich dabei und berichtete, z.B. von den 3 offenen Nachmittagen für Schülerinnen und Schüler der Grundschule, den samstäglichen Workshops im Jugend hackt Lab, den engen Kooperationen mit den Gymnasien der Umgebung für diverse Projekte und den Besuchen durch Schulklassen oder Jugendgruppen aus Hamburg oder Meißen, die hier im Bahnhof vor der Pandemie Workshops beispielsweise zum Elektronik-Löten oder zu IT-Sicherheit gemacht haben. Aktuell läuft auch hier alles anders, große Gruppen gibt es vorerst nicht, aber das Angebot für die Grundschule hat (in kleine Gruppen aufgeteilt) wieder begonnen.

Besonders interessierte Beate Kostka die Praxisnähe der hiesigen, außerschulischen digitalen Bildung, denn da sieht sie besonders große Berührungen zum Thema berufliche Orientierung. Daniel erzählte, dass er zur Zeit ein Projekt mit dem Gewässerinstitut Lychen macht , in dem Kinder und Jugendliche die Lichtverschmutzung am Bahnhof Fürstenberg/Havel und deren Folgen für Insekten mit Sensortechnik untersuchen und von früheren Projekten, die der Messung von Feinstaub an der B96 dienten. Informatik hat eben nicht nur mit Nullen und Einsen zu tun. Hier im Verstehbahnhof lernt man die Schnittstellen zur Physik, zu Mathematik, Biologie, Musik oder auch zum Sport kennen, wenn etwa elektronische Musikinstrumente gelötet oder Geschwindigkeitsmesser mit einem Calliope Mini Microcontroller gebaut werden, aber auch zu breiteren Themen, wie dem Umweltschutz oder Game-Design. Gerade um das Interesse von Mädchen an Informatik zu wecken, ist der interdisziplinäre Ansatz wichtig, da sie sich stärker dafür interessieren, wofür eine bestimmte Technik da ist. Deshalb ist der Frauenanteil bei reiner Informatik so viel niedriger, als bei Bioinformatik, Medieninformatik oder Medizininformatik. Dass man in der techniknahen, digitalen Bildung früh anfangen muss, um Mädchen gleichermaßen zu begeistern, weil ihnen sonst die stereotype kulturelle Prägung beibringt, dass das nur “Jungsthemen” seien, da waren wir uns einig. Wir sind stolz darauf, im Verstehbahnhof Kindern jeden Hintergrunds einen Lernort zu bieten, der ihnen Spaß macht und einen Blick in die Zukunft ermöglicht.

Wir bleiben sicher weiter in Kontakt, denn wir arbeiten alle für das gleiche Ziel : dafür zu sorgen, dass Menschen in unserer Region eine gute Zukunft haben und junge Menschen genau die Entwicklungschancen bekommen, die sie brauchen, um diese Zukunft hier mitzugestalten.

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