Anke Domscheit-Berg, MdB: Gedenkstätte für die Opfer der Euthanasie Morde

Am 23.7. erzählten mir Lisa Quäschnig u Christian Marx, beide Museumspädagogen, im Hof der Gedenkstätte ausführlich die Geschichte dieses bedrückenden Ortes, bevor wir uns mit Mundschutz, Abstand, offenen Fenster und dennoch in gebotener Kürze auch die Ausstellung ansahen.

Seit etwa 1870 war hier ein altes Zuchthaus. Die Nazis nutzten es erst als wildes KZ, dann als Gefängnis, und ab Ende 1939 als eine von 6 Tötungsanstalten im Rahmen des berüchtigten Euthanasie-Programms T4. In Brandenburg an der Havel testete man das Konzept: Im Januar 1940 gab es dort „Probetötungen“ mit verschiedenen Tötungsmethoden, um die für dieses entsetzliche Programm „geeignetste“ herauszufinden.

Ein Nebengebäude wurde zur Gaskammer, in der man die Opfer mit Kohlenmonoxyd erstickte, mobile Brennöfen stellte man daneben. Etliche der Mitarbeiter wechselten später an Stätten des Holocaust und beteiligten sich an der Massenvernichtung z.B. in Sobibor und Treblinka.

Offiziell hieß die Tötungsanstalt „Landespflegeanstalt“, dieser Begriff stand auch auf den sogenannten „Trostbriefen“, die alle gleich lauteten und den Angehörigen vorlogen, dass ihre Verwandten an einer frei erfundenen Krankheit gestorben seien. Zwischen 2 und 87 Jahre alt waren die fast 10.000 dort Getöteten, 8.300 sind namentlich bekannt.

1941 kam es zu einer Unterbrechung der Euthanasie Morde, die bis dahin 70.000 Opfer zählten, denn eine Brandrede von Bischof Klemens August Graf van Galen prangerte die Praxis als Mord an Unschuldigen an und verbreitete sich stark.
Aber bald ging das Morden weiter, nur nicht mehr in den 6 Tötungsanstalten, sondern unauffälliger in den Unterbringungsheimen selbst – noch einmal etwa 80.000 Menschen starben so an Vernachlässigung, Falschmedikamentation oder durch Todesspritzen. Kaum ein Täter wurde je verurteilt.

Besonders bewegte mich in der Ausstellung ein Familienfoto einer jüdischen Familie – darüber poste ich separat. Bitte schaut es Euch an und lest den Text. Solche Termine sind schwer, aber Verdrängen ist nicht, das ist unsere Vergangenheit und sie muss uns ein Lehre für die Zukunft sein.

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