Anke Domscheit-Berg, MdB: Neues aus dem Landkreis Teltow-Fläming:

Arbeitsgespräch mit der Ersten Beigeordneten

Zu meinem Wahlkreis gehören Teile von Teltow-Fläming, und weil ich mich auch einmal auf Kreisebene über die aktuelle Situation in der Region informieren wollte, habe ich am 14.08.2020 bei meiner Sommertour auch Station in Luckenwalde gemacht und dort Kirsten Gurske, Erste Beigeordnete des Landkreises zu einem Arbeitsgespräch getroffen. Begleitet haben mich Felix Thier, Fraktionsvorsitzender der LINKEN und Maritta Böttcher, ebenfalls Linke und Vorsitzende des Ausschusses für Gesundheit und Soziales im Kreistag Teltow-Fläming.

Vize-Landrätin Gurske sieht die Lage aktuell entspannt, Prozesse haben sich eingespielt, das Infektionsgeschehen hat sich beruhigt, es gibt nur 11 aktive Covid-19 Fälle im ganzen Kreis, auch wenn die Zahlen wegen einer Kombination aus höherem Reiseverkehr und gesunkener Hygiene-Disziplin gerade wieder ansteigen. Zu Beginn der Pandemie sah das noch anders aus. Das Gesundheitsamt war den plötzlich enorm gestiegenen Anforderungen nicht gewachsen, Amtshilfe aus anderen Behörden wurde notwendig. Besonders schwierig wurde die Lage für den Landkreis, als das Ernst-von-Bergmann-Klinikum in Potsdam wegen eines Corona-Ausbruchs leer gezogen werden musste und Patient:innen auch auf das Krankenhaus Ludwigsfelde verteilt wurden. Die geplante Vernetzung mit dem Bergmann Klinikum war damit auch hinfällig, stattdessen musste schnell eine Kooperation mit den Kliniken in Brandenburg an der Havel etabliert werden.

Kirsten Gurske war froh, dass es bisher in ihrem Landkreis zu keinem Ausbruch in Pflegeeinrichtungen und Krankenhäusern kam, nur einige kleinere Ausbrüche in Gemeinschaftsunterkünften gab es, die man mit 14 tägigen Quarantänen, die im Regelfall nur auf Bewohner:innen einer Etage begrenzt waren, vollständig in Griff bekam.

Kritik gab es von ihr zur schlechten Organisation der verpflichtenden Tests für Reiserückkehrer:innen. Wenn diese auf ihr Handy ein Testergebnis bekommen, das nur mit einer 10-stelligen Nummer aber ohne Namen oder sonstige Verbindung zur Person angezeigt wird, dann stellt sich für ein Gesundheitsamt die ganz praktische Frage, wie man ein so vorgezeigtes negatives Testergebnis zur Grundlage einer Befreiung von der Quarantäne nach Reisen in einem Risikogebiet machen soll, denn das Testergebnis ist ja nicht eindeutig der Person zuordenbar. Bei jedem Reiserückkehrer aber den Laboren hinterher zu telefonieren, um eine Verifikation zu erreichen, würde die Ämter überfordern. Also läßt man es bleiben – besser wäre aber ein anderer Prozess. Auch die geringe Erstattung der Kosten für Hausärzte, wenn sie bei asymptomatischen Reiserückkehrer:innen einen Covid-19 Test machen sollen, ist ein Problem, denn weil es sich für sie nicht lohnt, verweigern etliche Ärzte den Test, so dass die Suche nach einer Teststelle zur Odyssee werden kann. Das darf natürlich nicht sein, scheint aber leider in ganz Deutschland aktuell der Fall zu sein.

Die Gesundheitsämter sind trotz geringer Infektionszahlen stark ausgelastet, denn anders als in der Phase des quasi „Lock-Down“ hatten jetzt die meisten Menschen wieder sehr viele persönliche Kontakte in den 2 Wochen vor einem positiven Corona-Test, die alle nachverfolgt werden müssen – eine aufwändige Arbeit. Besonders viele Kontakte gibt es nachzuverfolgen, wenn ein mobiler, sozial sehr aktiver Mensch keine Symptome hatte und nur durch einen Routinetest als Covid-19 infiziert entdeckt wird, solche Fälle gibt es zur Zeit häufiger als früher. Fünf Bundeswehrsoldaten unterstützen zur Zeit die Gesundheitsämter bei der Kontaktverfolgung. Angst vor der Pandemie sei dennoch nicht angebracht, fand Kirsten Gurske, aber Respekt und Vernunft, bis es eine Impfung gibt und damit Aussicht auf ein Ende der unmittelbaren Gefahr.

Auch im Landkreis Teltow-Fläming wurde zum Teil im Home Office gearbeitet, was nicht immer einfach war, denn der Zugriff auf Fachverfahren aus der Ferne erfordert einen sicheren Zugang und der läßt sich nicht für jedes Fachverfahren gleich schnell einrichten, so sind in einzelnen Bereichen Dinge liegengeblieben, weil der Zugriff auf das notwendige Fachverfahren eine zeitlang nicht gegeben war – aber das war die Ausnahme. Covid-19 hat das Arbeiten verändert, Kirsten Gurske schätzt, dass man auch im Kreisamt wohl nie wieder genau so arbeiten wird, wie vor der Pandemie, aber dennoch würde man jetzt wieder nach und nach zum alten modus operandi mit Arbeit im Büro übergehen.

Positiv hat mich überrascht, dass keine einzige Familienberatungsstelle während des Lock-Downs geschlossen hatte – in irgendeiner Form haben sie alle weitergearbeitet und waren kontinuierlich für Menschen mit Beratungsbedarf erreichbar. Für gestresste Eltern wurde sogar eigens eine Hotline eingerichtet. Gefragt habe ich auch nach der Situation in Frauenhäusern und für gefährdete Kinder. Aber im Landkreis gab es keine erhöhten Bedarf nach Plätzen in Frauenhäusern und keinen Einbruch von Kinderschutzmeldungen, die wegen der Kita- und Schulschließungen befürchtet worden waren. Allerdings kamen Kinderschutzmeldungen im Lock-Down häufiger von Nachbarn als von Lehrkräften.

Zum Abschluss wollte ich noch wissen, was aus den 1.000 Schutzvisieren wurde, die wir im Fürstenberger Verstehbahnhof angefertigt bzw. verteilt und nach Teltow Fläming gebracht hatten. Die anfallenden Kosten dafür wurden aus Spenden finanziert, die der Kreisverband der LINKEN in Luckenwalde sammelte. Ich erfuhr, dass sie an Krankenhäuser, stationäre Pflegeeinrichtungen, Mitarbeiter:innen des Gesundheitsamtes und andere Einrichtungen verteilt wurden. Zuständig dafür war der Rettungsdienst Luckenwalde – den habe ich gleich danach besucht, darüber gibt es dann einen eigenen Text.

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