Anke Domscheit-Berg, MdB: Unser offener Brief an Amazon CEO Jeff Bezos

Als eine von über 400 Abgeordneten aus 34 Ländern beteilige ich mich an der Initiative #MakeAmazonPay. Es ist an der Zeit, dass digitale Monopole keine Sonderbehandlung mehr erfahren und endlich ihren Beitrag leisten: für ihre Mitarbeiter:innen, für die Gesellschaft und für unseren Planeten.

Der offene Brief wurde am 4. Dezember 2020 auf Progressive.International veröffentlicht:

Herr Bezos,

wir, gewählte Abgeordnete und öffentliche Amtsträger aus der ganzen Welt, lassen Sie hiermit wissen, dass die Tage von Amazons Straflosigkeit gezählt sind. Letzten Freitag, am 27. November, schlossen sich Arbeiter*innen, Aktivist*innen und Bürger*innen aus aller Welt zusammen, um Gerechtigkeit von Amazon zu fordern. Heute verpflichten wir uns zur Solidarität mit dieser Bewegung in jedem Kongress, Parlament und Regierungsgebäude, in dem wir arbeiten.

Kurz gesagt bekennen wir uns zu einem einzigen Ziel: Amazon bezahlen zu lassen.

Die ganze Welt weiß, dass Amazon genug Geld hat, um seine Arbeiter*innen, seine Umweltkosten und seine Steuern zu bezahlen. Und doch sind Sie – immer wieder – dem, was Sie den Arbeitnehmer*innen, der Gesellschaft und dem Planeten schuldig geblieben sind, ausgewichen.

Ihr großer Reichtum beruht auf den Fähigkeiten Ihrer Arbeiter*innen und der Fürsorge, die diese von ihren Freund*innen, Familien und Gemeinschaften erhalten. Das sind genau die Menschen, die ihre Gesundheit und die ihrer Angehörigen aufs Spiel gesetzt haben, um Verbraucher*innen mit Waren zu versorgen und Ihnen enorme Gewinne zu bescheren. Doch während Ihr persönliches Vermögen im Jahr 2020 um rund 13 Millionen US-Dollar pro Stunde gewachsen ist, finden sich diese Arbeitnehmer*innen in gefährlichen Arbeitsbedingungen wieder, erhalten nur eine geringe oder gar keine Lohnerhöhung und müssen für ihre Bemühungen, sich zur Wehr zu setzen und sich mit ihren Kolleg*innen zu organisieren, mit Vergeltungsmaßnahmen rechnen.

Wir verpflichten uns erneut, an der Seite Ihrer Arbeitnehmer*innen, Amazon bezahlen zu lassen.

Der Aufstieg Ihres Unternehmens in eine Position der Dominanz ist mit außerordentlichen Kosten für unsere Umwelt verbunden. Während Sie persönlich den Klimanotstand als eine der größten Herausforderungen unserer Zeit anerkannt haben, ist der ökologische Fußabdruck Amazons größer als der von zwei Dritteln der Länder dieser Erde. Mit Ihrem Plan zur Emissionsreduzierung würden immer noch die ökologischen Grenzen unseres Planeten überschritten. Zudem kann vor dem Hintergrund einer Rekordzahl an gebrochenen Nachhaltigkeitsversprechen sowie zahlreicher finanzieller Beiträge zur Leugnung des Klimawandels seitens Amazons von Vertrauen kaum die Rede sein.

Wir verpflichten uns daher erneut, im Namen unseres Planeten, Amazon bezahlen zu lassen.

Zu guter Letzt haben Sie unsere Demokratien und ihre Fähigkeit, auf gemeinsame Herausforderungen zu reagieren, untergraben. Ihre monopolistischen Praktiken haben kleine Unternehmen unter Druck gesetzt, Ihre Webdienste haben Datenrechte missachtet und Sie haben im Gegenzug kaum etwas zurückgegeben. So zahlte Amazon beispielsweise in den Jahren 2017 und 2018 in den USA überhaupt keine Körperschaftssteuer auf nationaler Ebene. Durch Ihre weltweite Steuerhinterziehung schaden Sie der öffentlichen Versorgung in den Bereichen Gesundheit, Bildung, Wohnen, soziale Sicherheit und Infrastruktur.

Wir verpflichten uns erneut gegenüber unseren Wähler*innen, Amazon bezahlen zu lassen.

Wir fordern Sie dringend auf, entschlossen zu handeln, um Ihre Politik und Ihre Prioritäten zu ändern, um das Beste für Ihre Arbeiter*innen, unsere Gemeinden und unseren Planeten zu tun. Wir sind jedenfalls dazu bereit, in unserer jeweiligen Legislative zu handeln, um die wachsende Bewegung, die Amazon bezahlen lassen will, zu unterstützen.

Mit freundlichen Grüßen,

Die Liste aller 401 Abgeordneten aus 34 Ländern findest du hier.

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