Anke Domscheit-Berg, MdB: Zu Besuch im Wunderkammerschiff

Das Konzept: Kinder erklären Kindern die Exponate

Am 14.09.2020 habe ich mit der Klasse 3A der Dreiseen Grundschule in Fürstenberg/Havel das Wunderkammerschiff besucht, das noch bis zum 18.9.2020 am Balensee vor Anker liegt. Das Wunderkammerschiff kam auf meine Initiative in meinen Heimatort Fürstenberg. Die für Mai 2019 geplante Tour des Schiffs musste leider verschoben werden, weil die Schleuse Zaaren geschlossen wurde. Nun ist das Wunderkammerschiff aber endlich in Fürstenberg angekommen – als Auftakt einer Tour durch den Brandenburger Norden, die auch noch nach Rheinsberg führen wird.

Es ist eine der schönsten Bildungsstätten, die ich kenne. Ein Schiff voller Kuriositäten, naturkundlicher Schätze aus aller Welt, das durch Brandenburg fährt, um diese Art Kultur auch in den ländlichen Raum und zu den Kindern zu bringen. Es ist ein Museum zum Sehen und Anfassen, deshalb gab es nicht nur eine Mundschutzpflicht, sondern auch eine Handschuhpflicht, aber die Kinder hatten damit kein Problem. Dafür war alles viel zu faszinierend.

Die Museumsführerinnen waren Mädchen aus einer Schule in Berlin. Das ist das Grundprinzip im Wunderkammerschiff: Kinder erklären Kindern die Exponate. Und da gab es einiges zu bewundern, z.B. Coco di Mar, die größte Nuss der Welt, die zehn Jahre zum Reifen braucht (die Kinder hielten sie erst für eine Art Popo) oder ein Straußen-Ei, aus dem man Rührei für 25 Menschen kochen kann. Oder das Gebiss eines Baby-Walhais. Der Walhai ist der größte Fisch der Welt, er kann 100 Jahre alt und 20m lang werden, bis zu 34t wiegen, und hat dann so 30.000 Zähne bekommen. Faszinierend waren aber auch ein ausgestopfter Kakadu, viele bunte Muscheln groß und klein, riesige Insekten und schillernde Schmetterlinge. Den Namen „Wunderkammerschiff“ hat dieses Boot zurecht.

Kapitän Felix Eisenhardt hat den Kindern auf dem Deck dann noch ein paar Schiffsknoten beigebracht und einiges über Navigation auf dem Meer erzählt. Sehr schön gefiel mir, dass um die Vitrinen herum alle Wände quasi Tafeln waren, und es auch jede Menge bunter Kreide gab, was die Kinder natürlich ausnutzten und eigene Versionen der Exponate malten. Die Exponate sind historische Objekte aus aller Welt, aus Kunst, Wissenschaft und Natur, unter anderem aus der Sammlung Olbricht, dem Bodemuseum und dem Museum für byzantinische Kunst in Berlin.

40 Tage im Jahr ist das Bildungsschiff MS John Franklin unterwegs, finanziert aus Landesmitteln, und möglich gemacht durch die Helga Breuninger Stiftung mit der Stiftung Olbricht.

Ich hoffe, dass viele Kinder nach ihrem Besuch auf dem Wunderkammerschiff Zuhause erzählen, wie spannend es in einem Museum sein kann und künftig vielleicht öfter an solchen Orten ansprechend aufbereitetes Wissen aufsaugen. Das hat wahrscheinlich einen nachhaltigeren Effekt, als die doch meist sehr theoretische Wissensvermittlung in der Schule. Ein Museumsbesuch erweitert den Horizont, macht Zusammenhänge leichter erkennbar und nebenbei lernt man etwas über vielfältige Berufsbilder.

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