Cornelia Möhring, MdB: 25.11.: Femizide untersuchen, benennen und verhindern

Internationaler Tag zur Beseitigung von Gewalt gegen Frauen – erster Antrag zu Femiziden im Bundestag

Gewalt an Frauen ist ein weltweites Problem. Allein in Deutschland hat es im letzten Jahr 115.000 Fälle von häuslicher Gewalt an Frauen gegeben, darunter 117 getötete Frauen. Und das sind nur die polizeilich bekannten Fälle. Expert*innen gehen von einem erheblichen Dunkelfeld aus.

Der Femizid, also die absichtliche Tötung von Frauen aufgrund ihrer Geschlechtszugehörigkeit, ist die schlimmste Ausprägung von Gewalt an Frauen und passiert in Deutschland in den meisten Fällen als sogenannte Trennungstötung, also die Tötung der eigenen Frau oder Partnerin vor bzw. nach einer vollzogenen Trennung. Aber auch „Ehren“morde, Morde nach einer Vergewaltigung oder die spezielle Tötung von Frauen bei einem Attentat gelten als Femizide.

Schätzungsweise ca. 150 Frauen werden jährlich in Deutschland Opfer eines Femizids. Genau lässt sich die Anzahl nicht beziffern, weil es bisher weder eine einheitliche Definition noch differenzierte Daten und Forschung zu dieser tödlichen Gewalt an Frauen gibt. Die Bundesregierung verschließt lieber die Augen und hinterlässt bei dem Thema eine große Leerstelle, das haben zwei Kleine Anfragen von uns ergeben.

Mit unserem Antrag „Femizide in Deutschland untersuchen, benennen und verhindern“ bringen wir am 19. November als erste Fraktion das Problem in den Bundestag. Wir fordern die Bundesregierung auf, Tötungsdelikte an Frauen und Mädchen, die aufgrund des hierarchischen Geschlechterverhältnisses begangen werden, als Femizide anzuerkennen, eine unabhängige „Femicide Watch“-Beobachtungsstelle einzurichten und regelmäßig und umfangreich Daten zu Gewalt an Frauen zu veröffentlichen.

Viele zivilgesellschaftliche Akteure befassen sich aktuell mit Thema Femizid. Der Deutsche Juristinnenbund hat Anfang November ein Policy Paper zum Umgang mit Trennungstötungen in Deutschland vorgestellt, DaMigra veranstaltete am 6. November eine Online-Tagung zu Femiziden in Europa und am 23. November diskutiert Conni Möhring mit Christina Clemm und Alex Wischnewski bei der Online-Veranstaltung „Wir wollen alles verändern – Perspektiven auf Femizide und geschlechtsbasierte Gewalt“ von der Rosa-Luxemburg-Stiftung.

Antrag „Femizide in Deutschland untersuchen, benennen und verhindern“

„#keinemehr – Femizide in Deutschland“, Broschüre der Rosa-Luxemburg-Stiftung

„Wir wollen alles verändern – Perspektiven auf Femizide und geschlechtsbasierte Gewalt“, Veranstaltung der Rosa-Luxemburg-Stiftung am 23.11.20

“Strafrechtlicher Umgang mit (tödlicher) Partnerschaftsgewalt”, Policy-Paper vom djb

„Stoppt Femizide – Effektiv gegen Frauen*morde in der Europäischen Union“, Konferenz von DaMigra am 6.11.2020

„Stoppt das Töten von Frauen #safeXX“, Online-Petition von change.org

„Kriminalistische Auswertung zu Partnerschaftsgewalt 2019“ vom Bundeskriminalamt

Kleine Anfragen:

„Frauenmorde – deutsche Ausprägung eines globalen Phänomens“, Kleine Anfragen von Cornelia Möhring vom 10.05.2019

„Geschlechtsspezifische Tötungen an Frauen – Femizide in Deutschland“, Kleine Anfrage von Cornelia Möhring vom 29.08.2018

Nachrichtenquelle: Read More