DIE LINKE.Brandenburg: Alarmstufe ROT – Kreativwirtschaft vor dem Kollaps

Es ist fünf nach zwölf! So lautet der Hilferuf aus einer Branche, die oft „hinter den Kulissen“ arbeitet und bisher im Rahmen der Coronahilfspakete nicht beachtet und/oder falsch eingeschätzt wurde. Seit März kann die Veranstaltungsökonomie faktisch wenig oder keine Umsätze generieren, kann nicht arbeiten. Es drohen Insolvenzen. Gut eine Millionen Beschäftigte sind betroffen. Höchste Zeit, den in seiner Existenz bedrohten sechstgrößten deutschen Wirtschaftszweig ins Rampenlicht zu rücken.

Mit Maske und Abstand und Anstand

Mittwoch „Fünf vor Zwölf“ am 9. September:  Merchandiser, Messebauer, Backliner, Security, Stager, DJ´s, Video-/ Licht- und Tontechniker, Caterer, Booker, Clubbetreiber, Schausteller, Bands, Schauspieler, Verbände, Veranstalter … gut 6.500 Teilnehmer demonstrieren im roten T-Shirt mit Maske und Abstand zu Fuß oder im Fahrzeugcorso, der mit über 500 LKW unterwegs war. Aufgerufen hatte das Aktionsbündnis „AlarmstufeRot“, das auch schon mit der Protestaktion „Night of Light“ mit bundesweit 8.000 beteiligten Unternehmen auf die Situation der Branche hingewiesen hat. Doch diese Aktion, wie auch die wöchentlichen Mittwochsdemos in den Landeshauptstädten, verklangen vielfach ungehört. Die Hilfsprogramme der Bundesregierung für die Branche sind gut gemeint, doch in vielen Fällen unwirksam, am Bedarf vorbei oder durch zu viel Bürokratie schwierig zu erhalten.

Damit soll nun Schluss sein. Die Bündnispartner „AlarmstufeRot“ fordern einen politischen Dialog. Vor über 15.000 Menschen auf der großen Bühne am Brandenburger Tor erklären sie noch einmal die Situation. Herbert Grönemeyer und viele andere Prominente aus Kunst und Kultur übermitteln ihre Solidarität.

Kultur ist Nahrung für die Menschen

Dann kamen Politiker*innen aus den Regierungsparteien sowie von den Grünen und den Linken an den „symbolischen Dialogtisch“ auf die Bühne. Über Parteigrenzen hinweg waren sich die Redner*innen darin einig, dass die Branche einen wichtigen, unersetzbaren Wert für die Gesellschaft hat. Sie betonten in ihren je vier Minuten Redezeit unisono, dass sie sich einsetzen werden. Fast wirkt es paradox, sprechen sie doch vor Menschen, denen das „Wasser bis zum Hals steht“ und den Verantwortlichen Handlungsoptionen seit März freistehen. So analysiert Bernd Riexinger dann auch: „Die Lage ist desaströs. Eine Pleitewelle droht und die Bundesregierung tut zu wenig um Arbeitsplätze zu schützen!“ Auch Klaus Ernst und Dieter Dehm gaben sich kämpferisch und fordern die Branche auf, den Druck auf den Politikbetrieb aufrecht zu erhalten. Caren Lay weist zudem noch auf die besondere Lage kleinerer Clubs und Festivals hin, die in dieser angespannten Lage nicht untergehen dürfen.

Die Leute hören allen Politiker*innen geduldig zu, niemand wird ausgebuht. Sie klatschen und geben ihr Vertrauen in der Hoffnung, dass sich nun etwas bewegen wird. Die sechs Kernforderungen der Veranstaltungswirtschaft wurden vorgestellt und symbolisch als Deklaration übergeben. Dazu gehören erweiterte Überbrückungs- und Kreditprogramme, ein steuerlicher Verlustrücktrag sowie ein angepasster EU-Beihilferahmen und flexiblere Kurzarbeiterregelungen.

Nun ist es an der Politik zu handeln.

Randnotiz: Diese Demo war ein richtiger Hingucker J Querdenker wurden weggeschickt. Diese vielen coolen Leute haben nicht zugelassen, dass ihr Protest von irgendwem vereinnahmt wurde. Und sie demonstrieren mit Abstand und Maske, reden miteinander und mit Politiker*innen und machen lösungsorientierte Vorschläge. Klasse Crew!

 

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