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Nach fast einem Jahr Corona-Pandemie sind Schüler:innen und Lehrer:innen, Erzieher:innen, Sozialpädagog:innen, Eltern und Erziehungsberechtigte und alle an dem Erziehungs- und Bildungsprozess junger Menschen beteiligten Personen nach wie vor weitgehend auf sich allein gestellt.

Wo interdisziplinäre Zusammenarbeit und der direkte Kontakt zwischen und mit Menschen unbedingt notwendig sind, fehlt es weiterhin an praxistauglichen Maßnahmen und konkreten Konzepten, die Erziehung und Bildung auch in Pandemie-Zeiten ebenso wie Infektionsschutz sicherstellen. Während die Akteur:innen jeden Tag aufs Neue Großartiges leisten, Ideen und Möglichkeiten entwickeln, zeigt der bildungspolitische Umgang mit Schulen und Erziehungsstätten, dass die Prioritäten nicht bei den Kindern und Jugendlichen und ebenso wenig auf den Arbeitnehmer:innen liegen.

Die „Homeschooling-Krise“, KiTas, die weiterhin bis zu 2/3 ausgelastet sind und hilflose sozialpädagogische Einrichtungen, die bisher weitgehend ungehört bleiben, sind wenig überraschende Symptome eines unterfinanzierten Bildungssystems, dem seit Jahrzehnten jegliche Reform verwehrt bleibt. Bereits ohne eine Corona-Pandemie zeigten sich in den Schulen die Auswirkungen von Personalmangel und Ausstattungsdefiziten: Unterricht in viel zu vollen Klassen, ständig ausfallender Unterricht, zu wenig Budget und zu hohe bürokratische Hürden für umfassende Digitalisierung, ausbleibende Zeit für die notwendige Vernetzung mit außerschulischen Partner:innen und fehlender Raum für die Beziehungsarbeit mit den Kindern und Jugendlichen abseits des Lehrplans.

Es ist also kaum überraschend, dass das Bildungssystem unter den aktuellen Voraussetzungen nicht in der Lage ist, die Pandemie zu überstehen, ohne Kinder, Jugendliche und schulisches Personal vollständig zurückzulassen. Ein Wirrwarr aus kurzfristigen Beschlüssen über Schulschließungen, Hybrid-Unterricht, Aufhebung der Präsenzpflicht, Wechselmodellen und Notbetreuung sind bis heute die einzige Antwort auf die aktuellen Herausforderungen des Bildungssystems, das sich nicht erst seit Corona in einer Krise befindet. Es gilt jetzt möglichst viel Bildung zu retten und die Bedürfnisse der Schüler:innen wie Lehrer:innen nicht gänzlich aus den Augen zu verlieren. Dafür bedarf es jetzt dringender als je zu vor endlich an zusätzlichem schulischen Personal, adäquaten Lernräumen, projektorientiertem Lernen und einer allumfassenden Digitalisierung der Schulen. Nicht zuletzt ist es notwendig, einem leistungsorientierten Verständnis von Schule endlich den Rücken zu kehren und auf Abschlussarbeiten und Prüfungen zu verzichten.

Die Corona-Pandemie hätte eine Chance für das Bildungssystem werden können, Schule besser zu machen. Stattdessen verschärft sich die Chancenungleichheit weiter. Kinder und Jugendliche werden abgehängt und die Lehrer:innen werden einmal mehr für ein Bildungsdesaster verantwortlich gemacht, das schon lange hätte vorausgesehen und verhindert werden müssen.

Wir brauchen ein reformiertes Verständnis von Bildung und schulischem Lernen und da gilt es den Professionellen – Schüler:innen, Lehrer:innen, Eltern und Erziehungsberechtigtem ebenso wie außerschulischem pädagogischen Personal – endlich zuzuhören.

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