DIE LINKE.Mecklenburg-Vorpommern: Die Schulen meist immer noch in digitaler Wüste

Zur Ausstattung an Schulen mit digitalen Endgeräten erklärt die Vorsitzende und bildungspolitische Sprecherin der Linksfraktion, Simone Oldenburg:

„Die Landesregierung hat immer noch keinen Überblick über die Ausstattung der Lehrkräfte sowie Schülerinnen und Schüler mit digitalen Endgeräten. Sie verweist stets auf die Schulträger und deren Zuständigkeit (Link im Hintergrund). Damit stiehlt sich das Bildungsministerium aus der Verantwortung. Voraussetzung für eine längst überfällige landesweite digitale Strategie ist jedoch das Wissen um den Ist-Zustand.

Deshalb hat meine Fraktion eine Online-Umfrage zum Stand der Digitalisierung an den allgemeinbildenden Schulen durchgeführt. Es offenbart sich eine digitale Wüste. Gerade einmal etwas mehr als 10 Prozent aller Schülerinnen und Schüler sind mit einem digitalen Endgerät ausgestattet, das ihnen von der Schule zur Verfügung gestellt wurde. Und weniger als jede fünfte Lehrkraft hat einen dienstlichen Computer, um auf digitalem Wege unterrichten zu können.

Angesichts des anhaltenden Homeschoolings ist die Lage schlicht eine Katastrophe. Nun wird auch klar, warum die Landesregierung kein Interesse daran hat, die Ausstattung mit digitalen Endgeräten statistisch zu erfassen. Doch genau das muss endlich geschehen, um bei der Beschaffung endlich in die Vollen zu gehen. Wenn die Landesregierung diesen miserablen Ergebnissen ratlos gegenübersteht, dann muss es möglichst schnell einen Digitalisierungsgipfel mit den Schulträgern geben.

Auch die Lage bei den Computerarbeitsplätzen in den Schulen ist zum Teil haarsträubend. Es ist nicht zu akzeptieren, wenn es auch nur eine einzige Schule gibt, wo Lehrer und Schüler an Computern aus dem letzten Jahrtausend sitzen. Wie bitte soll an diesen alten Kisten vernünftig gearbeitet werden? Es muss im Jahr 2021 zum Standard gehören, dass eine ausreichende Anzahl an Computerarbeitsplätzen zur Verfügung steht und die Ausstattung nicht schon beim Einschalten überlastet ist.

Die Landesregierung ist dafür verantwortlich, dass sich der soziale Hintergrund der Eltern immer noch unmittelbar auf Lernerfolge auswirkt. Eltern mit einem kleinen Portemonnaie, womöglich noch in Kurzarbeit, ist es eben nicht möglich, auf die Schnelle ein vernünftiges Endgerät anzuschaffen.“

 

Hintergrund. Kleine Anfrage zum Thema: https://www.dokumentation.landtag-mv.de/parldok/dokument/47683/anschaffung_digitaler_endgeraete_an_schulen.pdf

Die Online-Umfrage wurde an allen 474 allgemeinbildenden Schulen durchgeführt, 103 Schulen haben teilgenommen. Damit liegt die Rücklaufquote bei rund 22 Prozent. Die Ergebnisse liegen aufgrund der Stichprobengröße in einem statistisch anzunehmenden Schwankungskorridor von etwa 10 Prozent. Damit ist das Ergebnis als repräsentativ anzusehen. Folgende Fragen wurden bei der Umfrage an die Schulen gerichtet:

  • Wie viele Lehrkräfte arbeiten an Ihrer Schule?
  • Wie viele Lehrkräfte sind mit einem mobilen digitalen Endgerät durch den Schulträger (Laptop, Tablet) ausgestattet worden?
  • Wie viele Schülerinnen und Schüler lernen in diesem Schuljahr an Ihrer Schule?
  • Wie viele Schülerinnen und Schüler sind mit einem mobilen digitalen Endgerät durch den Schulträger/durch Bundesmittel (Tablet, Laptop) ausgestattet worden?
  • Welche Anzahl von Computerarbeitsplätzen stehen a) den Lehrkräften und b) den Schülerinnen und Schülern Ihrer Schule zur Verfügung?
  • Wann wurden diese Computer angeschafft?
  • Möchten Sie mir noch etwas mitteilen?

Folgende zentrale Ergebnisse hat die Umfrage erbracht:

  • Etwas mehr als 16 Prozent der Lehrkräfte sind (durch den Schulträger) mit Geräten ausgestattet worden (439 von 2663).
  • Rund 11 Prozent der Schülerinnen und Schüler sind statistisch mit einem Gerät ausgestattet (3282 von 30085), wobei viele Schulen Leihmöglichkeiten anbieten.
  • An nahezu allen Schulen gibt es vor Ort Computerarbeitsplätze bzw. Laptops, die von Schülern und Lehrkräften genutzt werden können. In der Summe sind dies 584 für Lehrkräfte, 3221 für Schüler sowie 658, bei denen keine nähere Spezifizierung vorliegt, die also möglicherweise von beiden Gruppen genutzt werden können.
  • Knapp 14 Prozent dieser Personen (Lehrkräfte und Schüler) stehen damit ein Computerarbeitsplatz in der Schule, z.B. in Computerräumen, zur Verfügung.
  • Dabei sind die Situationen in den einzelnen Schulen sehr unterschiedlich. So zeigt sich, dass einige Schulen eine schlechte Ausstattung aufweisen. Beispielsweise gibt eine Schule an, dass 196 Schülerinnen und Schülern vier Computerarbeitsplätze zur Verfügung stehen. Das bedeutet, dass sich rechnerisch 49 Schülerinnen und Schüler einen Computerarbeitsplatz teilen. Anderorts gibt es Schulen, die angaben, dass sich rechnerisch zwei Schüler einen Computerarbeitsplatz teilen.
  • Auch das Alter der angeschafften Computertechnik zeigt eine erhebliche Bandbreite. Im Durchschnitt wurden die Geräte an den Schulen in den Jahren 2014-2016 angeschafft. Während also an einigen Schulen die Geräte 1998 oder Anfang der 2000er in gebrauchtem Zustand erworben wurden, können einige Schulen auf Geräte verweisen, die aus den letzten Jahren stammen. 

Bei den Antworten auf die offene Frage ergeben sich fünf häufig genannte Problembereiche:

  • Unzureichender Internet-/ WLAN-Anschluss
  • Mangel an mobilen Endgeräten für Lehrkräfte (vor allem bei der Notwendigkeit für Homeschooling)
  • Tablets für Schülerinnen und Schüler, bei denen tlw. Probleme mit der Kompatibilität und der Offline-Nutzbarkeit auftreten
  • Finanzierung von Geräten und Infrastruktur, die häufig an finanzschwachen Schulträgern oder mangelnden Fördermitteln hängt, teilweise auch von den Schulen oder äußeren Geldgebern übernommen wird.
  • Ein Mangel an einschlägig ausgebildeten Fachkräften, die sich um Einrichtung, Wartung, Erklärung von Geräten kümmern – bisher fallen diese Aufgabe zu oft auf Informatik- oder IMP-Lehrkräfte, die aber häufig nicht die entsprechende Zeit haben.

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