DIE LINKE.Sachsen: 01.09.1939 – Vor 82 Jahren Beginn der NS-»Euthanasie«: Nie wieder Faschismus!

Zum Beginn der NS-»Euthanasie« am 01.09.1939 erklären die Landesinklusionsbeauftragten DIE LINKE Sachsen, Ann-Kathrin Legath und Birger Höhn:

Heute vor 82 Jahren begann die »Euthanasie« der Nationalsozialisten. Zwar wurde erst später, wahrscheinlich im Oktober 1939, damit begonnen, aber es wurde zurückdatiert, weil man offenkundig zeitgleich sowohl den Krieg nach außen wie nach innen beginnen wollte.
Die Vorbereitungen dafür wurden bereits bei der NS- Machtübernahme am 30.01.1933 getroffen.

Bereits im Juli 1933 gab es das »Gesetz zur Verhütung erbkranken Nachwuchses«, daß ab Januar 1934 im gesamten Deutschen Reich galt.
Behinderte Menschen wurden in sehr schmerzhaften OP Eingriffen unfruchtbar gemacht. Alleine dieser grausamen Aktion fielen nach Schätzungen 400.000 behinderte Menschen zum Opfer.

Doch das reichte den Nationalsozialistischen Gewaltherrschern nicht aus. Sie trieben ihre beispiellose Gewalteskalation noch viel und sehr grausam weiter.
So wurden spätestens ab dem Jahr 1939 die Vorbereitungen für die massenhaften Tötungen behinderter Menschen vorangetrieben.

Dafür wurden im deutschen Reich insgesamt 6 Tötungsanstalten ausgewählt: Grafeneck (in der schwäbischen Alb), Schloß Hartheim bei Linz, Bernburg, Brandenburg, Hadamar und Pirna-Sonnenstein. Alleine in Pirna-Sonnenstein wurden 14.751 behinderte Menschen grausamst ermordet und getötet.

Insgesamt wurden mindestens nach Schätzungen ca. 300.000 behinderte Menschen durch das Gas – es war Kohlenmonoxid – in Gaskammern der Tötungsanstalten ermordet. Die »Erfahrungen«, die man hierbei »sammelte« wurden dann hinterher mit dem entsprechenden Personal in allen Konzentrationslagern in den Gaskammern eingesetzt – denn bis dahin gab es diese in den Konzentrationslagern weitgehend noch nicht.

Im Sommer 1941 wurde die Tötungsaktionen in den Tötungsanstalten eingestellt, weil es Widerstand gab in Form von 3 Predigten des Münsteraner Bischofs von Gaalen gab, der die Behindertenmorde öffentlich sehr stark kritisierte. Aber nur weil man Aufruhr unbedingt vermeiden wollte und nicht etwa aus anderen Gründen. Das Morden ging anschließend in den Heil- und Pflegeanstalten weiter in Form der Medikamenteneuthanasie.

Im Nachkriegsdeutschland, sowohl Ost wie West, wurden die Opfer leider weitgehend vergessen. Erst Ende der 1980er gab es eine Bürgerinitiative, die in Berlin am Standort der Täterzentrale, der Tiergartenstraße 4 – deswegen hatte die Euthanasie Aktion auch das Kürzel »T4« und seit 2014 gibt es dort eine Gedenkstätte, die nicht nur Gedenk- und Informationsort ist. Das ist dem  unermüdlichen Einsatz vieler Aktiver in der Gedenk- und Erinnerungsarbeit zu verdanken.

Wir trauern und erinnern daher heute und an jedem Tag an diese insgesamt ca. 700.000 Opfer.

In jedem Jahr, aber in diesem Jahr ganz besonders, da es eine Zunahme an Behindertenfeindlichkeit an Behindertenfeindlichkeit und Ableismus auch in Sachsen gibt. In Nordrhein-Westfalen wurde im Januar diesen Jahres bekannt, daß es in einer Einrichtung der Behindertenhilfe Strafanzeigen gegen Mitarbeiter in 145 Fällen gegeben hat wegen Freiheitsentzuges behinderter Menschen. In einzelnen Fällen kam es auch zu Gewalttaten. In Potsdam wurden Ende April diesen Jahres 5 behinderte Menschen in einem Potsdamer Behindertenwohnheim auf grausamste Weise von einer Mitarbeiterin ermordet. Wir haben bereits in unserer Erklärung zum 05. Mai, dem Europäischen Protesttag für Menschen mit Behinderungen, darauf hingewiesen und dies thematisiert.

Der Eugenik und der Behindertenfeindlichkeit muß auf allen Ebenen, innerhalb wie außerhalb DIE LINKE, entschieden entgegengetreten werden!
Wir unterstützen daher ausdrücklich alle, die dies nachdrücklich und immer wieder fordern.

Wir gedenken heute und an jedem Tag der geschätzten 700.000 Opfer der NS-Euthanasie. Wir trauern und erinnern an sie. Und wir mahnen in aller gebotenen Deutlichkeit:

Der Faschismus darf sich NIE WIEDER wiederholen! Das, wenigstens das, sind wir den Opfern der NS-»Euthanasie« schuldig!

Ann-Kathrin Legath                            Birger Höhn
Landesinklusionsbeauftragte DIE LINKE Sachsen

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