DIE LINKE.Siegen-Wittgenstein: Anfrage zur Unterstützung sozial benachteiligter Schülerinnen und Schüler in der Corona-Pandemie

Sehr geehrte Damen und Herren, sehr geehrter Herr Bürgermeister Bernd Fuhrmann,

Kinder und Jugendliche werden durch die „Corona“-Pandemie und durch die damit zusammenhängenden Einschränkungen psychosozial stark belastet (familiäre Verinselung, digitaler Distanzunterricht u.a.). Dies zeigen verschiedene wissenschaftliche Studien (z.B. die COPSY-Studie 2021). Entsprechend steigt die Anzahl derer, die psychische Belastungssymptome entwickeln (vgl. eine aktuelle Online-Befragung des Bundesverbandes der Vertragspsychotherapeuten). Dementsprechend sind laut Angabe der Deutsche Psychotherapeutenvereinigung (DPtV) die Anfragen nach therapeutischen Hilfen für Kinder und Jugendliche zuletzt um 60% gestiegen (Deutsches Ärzteblatt PP, 3/2021).

Sozial benachteiligte Kinder und Jugendliche werden von diesen Belastungen besonders stark getroffen, weil sie und ihre Eltern ihnen einerseits mehr als andere ausgesetzt sind und sie andererseits über wesentlich geringere Ressourcen verfügen, um diese zu kompensieren. So sind diese Eltern häufiger von Arbeitslosigkeit und Kurzarbeit betroffen oder arbeiten öfter in prekären Arbeitsverhältnissen in Dienstleistungsberufen. Zugleich leben diese Familien in beengten Wohnverhältnissen, haben keine oder kaum finanzielle Rücklagen und eine schlechte digitale Ausstattung. Aufgrund geringerer Bildungsabschlüsse und höherem familiärem Stressniveau können sie ihre Kindern zudem weniger im Homeschooling unterstützen (vgl. dazu Datenreport Wissenschaftszentrum Berlin 2021). Laut Bundesbildungsministerium haben sich bei 20 bis 25% aller Schülerinnen und Schüler durch die Pandemie bedingten Schuleinschränkungen Lernrückstände aufgebaut. Um diese Lücken aufzuholen, rechnet der Deutsche Lehrerverbandes mit ca. zwei Schuljahren. Sozial benachteiligte Schülerinnen und Schüler brauchen aber darüber hinaus eine langfristige regelmäßige Lernförderung.

Dies betreffend wird Herr Bürgermeister Bernd Fuhrmann und die Verwaltung der Stadt Bad Berleburg im Zuge der Sitzung der Stadtverordnetenversammlung am 10.05.2021 um Beantwortung der nachfolgenden Fragen gebeten. Bitten senden Sie die Antworten auch schriftlich an Thorsten Fischer, Schloßstraße 27, 57319 Bad Berleburg oder per e-mail an th.fischer.dipling@web.de.

1. Welche Maßnahmen hat die Stadt Bad Berleburg (gegebenenfalls auch außerhalb der gesetzlichen Zuständigkeiten) bisher ergriffen, um die oben festgestellten Belastungen von sozial benachteiligten Schülerinnen und Schüler zu reduzieren und/oder zu kompensieren, die nicht von den Schulen selbst oder von privaten Initiativen ausgingen bzw. getragen wurden?

2. Gibt es entsprechende Sofortmaßnahmen der Stadt Bad Berleburg? Wenn ja, welche? Wenn nein, warum nicht? Ist die Stadt bereit, solche zu ergreifen?

3. Welches politische Konzept verfolgt die Stadt Bad Berleburg zur Unterstützung von Kindern aus sozial benachteiligten Familien, um den oben festgestellten Belastungen zu begegnen? Welche konkreten Maßnahme enthält es, wie werden diese von wem und wann umgesetzt?

Nachrichtenquelle: Read More