DIE LINKE.Thüringen: DIE LINKE verliert Urgestein

Viele hatten die politische Bühne der Wendezeit bereits verlassen, als Rainer Bachmann für die SED/PDS am Runden Tisch Rede und Antwort stand. Gemeinsam, unter anderem mit seinem langjährigen Weggefährten Klaus Hummitzsch, schaffte er einen Übergang in die damals neue Zeit. Ihnen, der ehemaligen Spitze des Rates des Kreises, gelang, was damals Wenige für möglich hielten – Die Überführung ihrer Partei in das Heute und Jetzt. Letztlich hatten sie Anteil an einem friedlichen Systemwechsel im Kreis Nordhausen. Bachmann blieb seinen politischen Überzeugungen für eine gerechtere Welt stets treu, sprach mit den Menschen, wo er sie traf, und setzte sich für ihre Belange nachdrücklich ein. Nach jahrelanger kommunalpolitischer Tätigkeit verpasste er 2009 nur knapp den Einzug in den Thüringer Landtag. Monatelanger Straßenwahlkampf lagen da bereits hinter ihm. Im Kleinen und Großen engagierte er sich für die Belange der Menschen, stets gemeinsam mit seiner Frau und zugleich besten Freundin, Gerlinde. Selbst ein Landesparteitag wurde für ein Tänzchen unterbrochen, denn für Bachmanns war diese Teilnahme wichtiger als die Feier ihres Hochzeitstages.

Von der Wendezeit bis heute war er nahezu ununterbrochen engagiertes Mitglied des Nordhäuser Kreistages, seit 2009 des Nordhäuser Stadtrates, war Aufsichtsratsvorsitzender der Südharzwerke, war viele Jahre für die Nordhäuser Wohnungsbaugenossenschaft im Aufsichtsrat tätig, nahm Ehrenämter im Kleingartenverein an und hielt seine Nachbarschaft bei den beliebten „Hunderunden“ auf dem Laufenden. Protest gegen Rassismus und Faschismus kennt kein Alter. Rainer Bachmann war ein emotionaler Mensch, dem bei Gedenkveranstaltungen mit Holocaust- Überlebenden die Tränen kamen. Er war ein Kämpfer, der auch jenseits der 60 mit Thermoskanne und Paradekissen an einer Sitzblockade gegen alte und neue Nazis in Dresden teilnahm. Seine Gerlinde hatte ihm das Marschpaket geschnürt.

Seine Weggefährten blicken auf Jahrzehnte zurück, in denen Rainer Bachmann Maßstäbe setzte. Anfang der 2000er Jahre, als die Nordhäuser PDS weder Abgeordnete im Bundes- noch Landtag hatte, organisierte er gemeinsam mit Frank Hermsdorf die Arbeit seiner Partei neu und übergab den Staffelstab später an Jüngere. Alexander Scharff, mit dem er sich den Parteivorsitz 2 Jahre teilte, wurde für viele Jahre sein Nachfolger und sagt heute: „Trotz einiger Jahrzehnte, die zwischen uns lagen, war Rainer Bachmann ein echter Freund. Ich habe von ihm viel gelernt, ihm vertraut und wäre ohne ihn nie dort, wo ich heute bin.“ Als Freund wird er auch von Birgit Keller bezeichnet. Keller war Landrätin, Ministerin und ist heute Landtagspräsidentin. Auch sie sagt, dass ihre politische Erfolgsgeschichte eng mit dem Engagement von Rainer Bachmann verbunden ist. Sie bezeichnet ihn als einen der Architekten, des heute so erfolgreich agierenden Kreisverbandes ihrer Partei. Die Liste dieser Weggefährten könnte beispielsweise mit Sabine Jacobi aus Herreden, Wolf-Ulrich Künzel aus Woffleben, Wilfried Guter aus Bleicherode, Walter Walzel aus Ilfeld, Hannelore Haase und Michael Mohr aus Nordhausen und natürlich Heike Umbach aus Sollstedt endlos fortgesetzt werden.

Sein enger Freund Rainer Linsel erinnert sich heute nicht nur an das gemeinsame politische Engagement. „Gemeinsame Urlaube und Treffen im Freundeskreis, die Saunabesuche und Fraktionsfeiern. All das wird mir sehr fehlen. Rainer wird mir fehlen.“ Linsel verliert einen Freund, den er bis zuletzt begleitet hat.

Loni Grünwald, einst Vizelandrätin, kennt den Kampf gegen den Krebs nur zu gut. „Rainer Bachmann und mich verbindet mehr als nur eine gemeinsame Zeit. Er stand mir bei, als ich einst krank war und heute fehlt plötzlich die Zeit, ihm das zurückzugeben.“

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