Dr. Dietmar Bartsch, MdB: Der Bibelspruch des Rotarmisten

Das Berliner Reichstagsgebäude, in dem die Plenarsitzungen des Deutschen Bundestages stattfinden, ist ein geschichtsträchtiger Ort. Immer wieder werde ich daran erinnert, zum Beispiel durch die Inschriften von Angehörigen der Roten Armee aus dem Jahr 1945. Der von Nazideutschland vom Zaum gebrochene Zweite Weltkrieg kehrte an seinen Ursprung zurück und wurde hier beendet. Ein zivilisatorischer Albtraum fand seinen Abschluss.

In diesen Tagen jährt sich der Überfall Hitlerdeutschlands auf die Sowjetunion zum 80. Male. Eines der größten Verbrechen der Geschichte kostete 27 Millionen Sowjetbürgerinnen und -bürger das Leben. Ihnen ein würdiges offizielles Gedenken zu widmen, konnte sich weder die Bundesregierung noch der Bundestag entschließen. Entsprechende Anregungen und Anfragen unserer Fraktion erfuhren fadenscheinige Absagen. Eine Schande!

Befreit wurde durch die Sowjetunion und die anderen Alliierten auch das deutsche Volk. Mehrheiten brauchten hierzulande sehr lange, das zu begreifen. Manche verweigern sich dieser Einsicht bis heute. Soll Wasser auf deren Mühlen geleitet werden? Die wiedererlangte staatliche Einheit Deutschlands ist undenkbar ohne die Politik der Sowjetunion. Soll auch das der Vergessenheit anheim fallen?

Wir, DIE LINKE, haben gehandelt. Am 9. Juni setzten wir eine Aussprache zum Jahrestag des deutschen Überfalls auf die Tagesordnung des Bundestages. Russen und Weißrussen, Ukrainer und Balten, Kaukasier, Juden – Angehörige Dutzender Nationalitäten; Soldaten, Zivilisten, Partisanen Kriegsgefangene; Männer, Frauen und Kinder,  die im Großen Vaterländischen Krieg ihr Leben ließen, sollten im höchsten deutschen Parlament wenigstens Erwähnung finden und Respekt erfahren.  Am 21. Juni werden wir, die Bundestagsfraktion DIE LINKE, eine eigene Gedenkveranstaltung durchführen und uns vor den Opfern und ihren Angehörigen verneigen. Sie können per Livestream unter www.linksfraktion. de von 18.00 bis 20.00 Uhr dabei sein.

Meine Fraktion hat überdies dem Bundestag einen Antrag vorgelegt „80 Jahre deutscher Überfall auf die Sowjetunion – Für eine Politik der Entspannung gegenüber Russland und eine neue Ära der Abrüstung“.  Deutschland und Russland müssen raus aus der Eiszeit der Beziehungen und aus dem Denken in Kategorien des Kalten Krieges. Auf die Tagesordnung gehört Kooperation statt Konfrontation!

Eine der eingangs erwähnten Inschriften im Reichstag lautet: „Что сеешь, то и пожнешь“ – „Was du säst, wirst du ernten.“ Es ist ein Bibelspruch. Er steht neben der Tür zum Büro der Bundeskanzlerin.

 


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