Dr. Dietmar Bartsch, MdB: Endlich Urlaub

… werde ich sagen, wenn diese Zeilen erscheinen. Noch toure ich durch NRW, wo im September Kommunalwahlen stattfinden. Zudem drücke ich Andreas Henke die Daumen. Ich habe ihn kürzlich in Halberstadt besucht, wo er sich am Sonntag der Oberbürgermeister-Stichwahl stellt – toi, toi, toi.

Heute komme ich Ihnen mal mit Goethe: „Willst du immer weiter schweifen? Sieh, das Gute liegt so nah. Lerne nur das Glück ergreifen: Denn das Glück ist immer da.“ Zugegeben, als Ostsee-Anwohner habe ich gut reden, das Meer, der Nationalpark und die Lagune liegen vor meiner Tür. Hinzu kommt im Urlaubsjahr 2020 ein besonderer Platzvorteil: Zum einen freue ich mich vor allem für die Beschäftigten im Hotel- und Gastgewerbe, wenn jetzt wieder Touristinnen und Touristen zu uns kommen, zum anderen kenne ich genug Ecken, an denen ich dem Trubel aus dem Weg gehen kann.

Hier und da werden sich die Wege kreuzen, denn selbstverständlich hoffe ich wie viele andere auf bestes Bade- und Beachballwetter am Prerower Nordstrand. Zudem ist das Fahrrad klar für Streifzüge über die geliebte Halbinsel Fischland, Darß, Zingst. Einen Besuch im Darßer Urwald oder an der Steilküste von Ahrenshoop kann ich ebenso empfehlen, wie den fabelhaften Blick von der Backsteinkirche in Wustrow, einen Zeesboottörn auf dem Saaler Bodden oder einen Bummel auf der Zingster Seebrücke. Gern möchte ich auch meinen Enkeln diesen wunderbaren Landstrich und die Mentalität seiner Menschen nahe bringen. So viel Homeschooling kann auch in den Ferien sein.

Ein paar Bücher liegen bereit und ich bin willens zu Schritten in unbekanntes Terrain. „Das wirkliche Leben“ von Adeline Dieudonné zählt dazu. Auf deren Erstling wurde ich unter anderem durch eine Rezension von Christine Westermann aufmerksam. Die von mir geschätzte Kritikerin verspricht ein „brutales Ende, bei dem man dennoch still aufatmet.“ Viel mehr dürfe von der Geschichte nicht preisgegeben werden, denn „die Dramaturgie baut sich so leise, so geschickt, auf, es wäre eine Schande, würde man das vorher verraten oder auch nur andeuten.“ Ich bin gespannt.

Das gilt auch für ein weiteres Debüt: „Zehn“, ein Thriller von Andy Neumann. Der „wollte einen Krimi schreiben, der möglichst nahe an der Realität bleibt und ohne die übliche Folklore auskommt.“ Mal sehen, ob er, der jahrelang als Kriminalist gearbeitet hat, das geschafft hat.

Auch ich habe überdies eine Reihe Bücher im Schrank, die ich endlich mal oder endlich mal wieder zur Hand nehmen will. Höchste Zeit, „Die Verantwortung der Linken“ von meinem Freund Jan Korte zu lesen, wenngleich damit auch ein Brückenschlag in den Alltag gegeben ist, zum Beispiel mit Blicken auf den für Ende Oktober geplanten Bundesparteitag der LINKEN in Erfurt und auf das bevorstehende Superwahljahr. Vielleicht greife ich auch mal wieder zu den „Buddenbrooks“. Die weit über 700 Seiten verlangen ja eine gewisse Überwindung. Der Verleger Samuel Fischer schrieb im Oktober 1900 an Thomas Mann: „Glauben Sie, dass es Ihnen möglich ist, Ihr Werk um etwa die Hälfte zu kürzen, so finden Sie mich im Prinzip sehr geneigt, Ihr Buch zu verlegen.“ Der Autor blieb hartnäckig und der Verleger lenkte ein. Das erbrachte letztlich Millionen Leserinnen und Leser und den Literatur-Nobelpreis. Man sollte also nicht so schnell klein beigeben.

Bleiben auch Sie standhaft und flexibel, neugierig und gesund! Möge auch bei Ihnen ein Stückchen Glück vor der Tür liegen. Die Reihe der Freitags-Kolumnen werde ich Mitte August fortsetzen.

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