Dr. Kirsten Tackmann, MdB: Agroforstwirtschaft ermöglichen

Es gilt das gesprochene Wort.

Sehr geehrte Damen und Herren,

in dieser Debatte geht es um Agroforstsysteme. Also um die Kombination des Anbaus von Bäumen mit Ackerkulturen oder Weidetieren. Klingt selbstverständlich, ist in unserem Land aber fast revolutionär.

Weil seit 200 Jahren der Graben zwischen Land- und Forstwirtschaft fast unüberwindbar vertieft wurde. In anderen Ländern versteht man diesen Konflikt gar nicht. Kakao z. B. braucht den Schatten von Bäumen. Das berühmte Iberico-Schwein wird in Spanien unter Bäumen gehalten.

Aber in Deutschland gab es bisher Vorbehalte und hohe Hürden. Dabei gibt es auch bei uns einige spannende Erfahrungen mit Agroforstsystemen.

Trotzdem war viel Pioniergeist notwendig, als im Juni 2019 der Deutsche Fachverband für Agroforstwirtschaft, DEFAF gegründet wurde. Aber er hat richtig Dynamik ins Thema gebracht. Danke dafür!

Denn Agroforstsysteme sind ein wichtiger Baustein für eine klima- und naturschonendere Agrarproduktion. Die ist übrigens auch im Eigeninteresse der Landwirtschaft! Denn Starkregen, Spätfröste oder Dürren sind Ernte- und damit auch Einkommensrisiken in den Agrarbetrieben. Und Ernterisiken können schnell Versorgungsrisiken werden! Das dürfen wir nicht vergessen! Auch das Verschwinden von Bestäubern bedroht Ernte, Einkommen und Versorgung.

Gute Landwirtschaft geht uns also alle an! Dabei geht es oft gar nicht darum, Dinge neu zu erfinden. Oft hilft es schon weiter, sich auf traditionelles Wissen neu zu besinnen, es anzupassen oder weiterzuentwickeln. Und genau so ein Beispiel sind Agroforstsysteme.

Mich fasziniert das Thema schon lange. Gerade als LINKE will ich, dass die Potenziale von Bäumen auf Äckern und Weiden endlich auch bei uns leichter genutzt werden können! Dafür hatte ich vor Jahren eine Reise des Agrarausschusses nach Frankreich und Großbritannien initiiert. An das Versuchsgut bei Montpellier z. B. erinnere ich mich noch sehr gut. Die positiven Wechselwirkungen zwischen Weizen und Walnuss oder Wein und Speierling waren beeindruckend. Und sie werden noch deutlicher mit dem beginnenden Klimawandel, einem wachsenden Verständnis solcher Systeme und praktischen Erfahrungen. Aber mindestens genauso beeindruckend war der völlig neue Agrarlandschaftseindruck. Dieses landwirtschaftlich intensiv genutzte Versuchsgut wirkte wie ein Landschaftspark. Und auch viele Lebewesen haben dort neue Lebensräume gefunden.

Und als Tierärztin sage ich: Bäume gehören als natürliche Schattenspender auf Weiden, erst Recht nach den Hitzesommern. Und auch in Freilandhaltungen von Hühnern. Die sind eigentlich Waldbewohnende!

All das spricht für die Agroforstsysteme. Deshalb hat DIE LINKE als erste Fraktion bereits vor über einem Jahr ihren Antrag für mehr Unterstützung vorgelegt. Und wir haben ein Fachgespräch im Ausschuss initiiert.

Nun hat auch die Koalition einen Antrag vorgelegt. Dem werden wir zustimmen. Es muss jetzt endlich vorangehen!

Hier der Antrag der Linksfraktion „Agroforstwirtschaft möglich machen“ (Drs. 19/14374).

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