Dr. Kirsten Tackmann, MdB: Moratorium für den Wildtierhandel

Frau Präsidentin! Frau Ministerin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Es liegen heute Anträge der Koalition, der FDP und der Grünen zum Thema Wildtierhandel vor. Meine Fraktion DIE LINKE hatte ihren Antrag zu diesem Thema schon vor der Sommerpause eingereicht; er ist bereits in die Ausschüsse überwiesen. Unser Antrag trägt den Titel „Moratorium für Wildtierhandel aus ethischer und epidemiologischer Verantwortung“. Damit sind drei Botschaften verbunden: Es muss beim Handel mit Wildtieren erstens unverzüglich gehandelt werden, weil zweitens ethische Probleme dringend gelöst werden müssen und drittens Infektionsrisiken schnell reduziert werden müssen.

(Beifall bei der LINKEN)

Was wir ausdrücklich nicht wollen, ist ein generelles Verbot des Haltens von Wildtieren, gerade weil ich weiß, wie viel für den Artenschutz durch Wildtierhaltung in Menschenobhut geleistet wird. Das verdient Respekt
und Anerkennung. Ein besonders eindrucksvolles Beispiel war eine tödliche Pilzinfektion vor ein paar Jahren, die 40 Prozent aller Froscharten im Regenwald Panamas ausgerottet hat. Die vielleicht letzten gesunden Exemplare sind damals in einer dramatischen Rettungsaktion evakuiert und in menschliche Obhut überführt worden –
immerhin das! Aber gerade als Tierärztin kenne ich auch die riskanten
und dunklen Seiten des Handelns mit Wildtieren. Eine aktuelle Studie von Pro Wildlife zeigt, dass dieser weitgehend unreguliert ist, dass er stark von Wildfängen abhängig ist und dass er für viele Reptilien- und Amphibienarten unterdessen als Hauptbedrohung gilt, selbst für Arten, die einen Schutzstatus in ihrem Herkunftsland haben. Leider ist die EU ein Hauptumschlagplatz für legalen und illegalen Handel mit Wildfängen, und das darf so nicht weitergehen.

(Beifall bei der LINKEN)

Leider gilt es wohl als schick, Exoten zu halten. Deshalb geht es auch um sehr viel Geld. Artenschutz, tierschutzgerechter Transport oder tiergerechte Haltung werden da schnell zur Nebensache. Aber Arten- und Tierschutz sind unsere ethische Verantwortung. Deshalb ist hier der Gesetzgeber gefordert. Gut, dass wir uns darin weitgehend einig sind.

(Beifall bei der LINKEN)

Aber bis dieses Regelwerk beschlossen und durchgesetzt ist, vergeht Zeit – für manche Art zu viel Zeit. Deshalb muss jetzt ein Moratorium für den Wildtierhandel her.

Einige Artenschutzregeln sind löchrig. Es fehlt fast vollständig das Bewusstsein für das Infektionsrisiko durch den Wildtierhandel. Das ist hochriskant, und das geht so nicht weiter. Das Epidemie- und Pandemierisiko durch Zoonosen, also von Tieren, oft Wildtieren, auf Menschen übertragene Infektionskrankheiten, ist offensichtlich. Die Wissenschaft mahnt, dass das Pandemierisiko mit dem Vordringen von Menschen in bislang unberührte Lebensräume und deren Zerstörung erheblich steigt. Aber Wildtiere können auch als Heimtiere Erkrankungen übertragen. Gerade gab es sogar tödliche Infektionen bei Bunthörnchenhaltenden. Trotzdem wird dieses Risiko beim Wildtierhandel bisher nahezu komplett ausgeblendet. Wir brauchen also ein striktes Regelwerk, und wir müssen es sofort organisieren.

(Beifall bei der LINKEN sowie des Abg. Carsten Träger [SPD])

Hier der Antrag der Linksfraktion „Moratorium für Wildtierhandel aus ethischer und epidemiologischer Verantwortung“ (Drs. 19/20551).

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