Dr. Kirsten Tackmann, MdB: Teilhabe von Frauen in Landwirtschaft und ländlichen Räumen

Es gilt das gesprochene Wort.

Anrede,

heute geht es wieder um die zukünftige EU – Agrarpolitik. Ein wichtiges Thema. Nicht nur für die Landwirtschaft, sondern für uns alle! Denn damit werden Weichen dafür gestellt, wie Lebensmitteln produziert werden. Und die brauchen wir zum Leben. Aber sie werden auch mit unseren Lebensgrundlagen produziert: Boden, Wasser, Luft. Es geht also um unser aller Zukunft!

EU-Kommission, Rat und Parlament verhandeln dazu aktuell im Trilog. Entscheidend ist, dass die relativ ehrgeizigen Ziele der EU-Strategien für mehr Schutz für das Klima und die biologische Vielfalt erreicht werden! Sonst läuft uns die Zeit davon! Das dürfen wir nicht zulassen! Aber bei diesen Themen gibt es wenigstens Hoffnung auf Fortschritte.

Dagegen droht die soziale Krise in der Landwirtschaft und in den ländlichen Räumen der EU ein blinder Fleck zu bleiben. Das wäre fatal. Auch für die ortsansässigen Agrarbetriebe. Die werden aber als Verbündete für eine nachhaltige Landwirtschaft gebraucht! Ihnen müssen Existenznöte genommen werden!

Dazu werden mindestens zwei Grundsatzentscheidungen gebraucht:

  1. Die Agrarförderung muss an soziale und ökologische Leistungen gebunden, das heißt Gemeinwohlprämie und
  2. Schluss mit der konzernfreundlichen Agrarpolitik!

Und es gibt noch mehr Korrekturbedarf. Zum Beispiel werden spezifische Benachteiligungen von Frauen weitgehend ausgeblendet! Auch bei der Bundesregierung eine Fehlstelle. Das hat ihre Antwort auf eine Kleine Anfrage der LINKEN gezeigt.

Derweilen wandern weiter gerade jüngere Frauen aus ländlichen Regionen ab. Oft nicht freiwillig. Sondern weil Einkommens- und Lebensperspektiven fehlen. Zum Beispiel gehört Deutschland mit mageren 7 Prozent Frauen an der Spitze von Agrarbetrieben zu den Schlusslichtern in der EU. Ohne Ökobetriebe oder Genossenschaften wäre die Situation sogar noch blamabler!

Förderprogramme kommen oft bei Frauen nicht an. Sie passen nicht oder haben zu hohe Hürden. Fehlende Angebote bei Bus und Bahn, Kultur und Bildung oder digitale Teilhabe treffen gerade Frauen.

Ein besonders dramatisches Defizit greift der Deutsche Landfrauenverband in seiner aktuellen Petition auf. Statt knapp über 1.100 Geburtshilfen im Jahr 2000 gab es 2018 nur noch 778. Laut einer Umfrage im November 2017 mussten in den sechs Monaten zuvor sogar mehr als 35 Prozent der Geburtshilfekliniken mindestens einmal Schwangere abweisen. Das trifft zuallererst Frauen auf dem Land. Eine Geburt lässt sich aber nicht beliebig zeitlich oder räumlich verschieben! Hier werden Gesundheit und Leben von Mutter und Kind riskiert! Eine gut erreichbare Geburtshilfe ist kein Luxus, sondern zwingend – auch in den ländlichen Räumen! Gut, dass die LandFrauen diese Entwicklung nicht länger akzeptieren!

Leider hat die Benachteiligung von Frauen System. Deshalb: Frauen brauchen mehr Einfluss! Auch in der Agrarpolitik! Genau das will der erneute Antrag der LINKEN! Sie sollten ihm zustimmen, liebe Kolleginnen und Kollegen!

Hier lesen Sie den LINKEN Antrag „Teilhabe von Frauen in der Landwirtschaft und den ländlichen Räumen“ (19/17778)

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