Friedrich Straetmanns, MdB: Brief an den Verlag C.H. Beck zu rassistischem Aufsatz

Der Verlag hat sich inzwischen entschuldigt:

Der Beitrag ist auf vielfältige Kritik gestoßen. Diese Kritik nehmen wir sehr ernst. Bei dem als „Kommentar“ gekennzeichneten Beitrag handelt es sich um die persönliche Auffassung des Autors. Als juristische Fachzeitschrift ist die NZA der Wissenschaftlichkeit und Meinungspluralität verpflichtet. Rückblickend ist aber klar, dass der Kommentar mit den redaktionellen Grundsätzen der NZA und unseren eigenen Ansprüchen nicht vereinbar ist. Die Redaktion distanziert sich ausdrücklich von dem Kommentar. Der Beitrag hätte nicht erscheinen dürfen. Wir entschuldigen uns in aller Form.

Leider fehlen in dieser Stellungnahme ein paar wesentliche Aspekte. Deshalb hier der Vollständigkeit halber der urspünglich geplante Brief von Friedrich Straetmans an den Verlag C.H. Beck:

Sehr geehrter Herr Beck, sehr geehrter Herr Schund,

mit Fassungslosigkeit habe ich die neuste Ausgabe der Neuen Zeitschrift für Arbeitsrecht zur Kenntnis genommen. Der Aufsatz von Herrn Zuck ist schlechthin rassistisch und hätte nicht abgedruckt werden dürfen.

Als Juristinnen und Juristen haben wir eine herausgehobene gesellschaftliche Rolle. Unser Handeln muss nicht nur im Einklang mit der Rechtsordnung stehen, sondern muss auch gesellschaftliche Werte reflektieren. Diese gesellschaftlichen Werte werden durch diesen Aufsatz mit Füßen getreten.

Der Bundestag zieht häufig Rechtswissenschaftlerinnen und Rechtswissenschaftler als Expertinnen und Experten beim Gesetzgebungsprozess heran. Diese stellen dann nicht nur ihre Privatperson dar, sondern vertreten die Rechtswissenschaft als Ganzes. Auch in wissenschaftlichen Veröffentlichung nehmen Juristinnen und Juristen Teil an der Formung des Rechts. Diese Teilnahme muss über jeden Zweifel des Rassismus erhaben sein. So wie es unsere Aufgabe ist integre Expertinnen und Experten auszusuchen, so ist es Ihre Aufgabe einen qualitativen wissenschaftlichen Diskurs zu ermöglichen. Diese Aufgabe haben Sie nicht wahrgenommen. Dieser Aufsatz bedient sich rassistischer Sprache und rassistischer Ressentiments. Dabei wird dies nicht mal verschleiert. Dem Aufsatz ist diese verwerfliche Gesinnung immanent und hätte bei gewissenhafter Kontrolle nicht veröffentlich werden dürfen. Der Aufsatz bedient sich ohne Probleme des N-Wortes, sowie derogativer Bezeichnung von Asiat*innen. Vor dieser Wortwahl haben Sie die Augen verschlossen.

Bedauerlicherweise ist es nicht das erste Mal, dass Ihr Verlag durch ungenügende Arbeit gegen Rassismus und Aufarbeitung desselben auffällt. Ihr Kurzkommentar zum BGB, der „Palandt“ trägt noch immer den Namen des Präsidenten des Reichsjustizprüfungsamtes. Wie bereits bei unserem Gespräch am 05.06.2019 im Deutschen Bundestag dargestellt, ist dies nicht hinnehmbar. Sie tragen als einer der größten juristischen Verlage der Bundesrepublik eine gesellschaftliche Verantwortung. Sie weigern sich seit Jahren den Namen von Nationalsozialisten von ihren Produkten zu streichen – sei es der Palandt, oder der Schönfelder.

Ich erwarte, dass dieser Prozess in Ihrem Verlag und Ihrer Redaktion aufgearbeitet wird. Es darf in Zukunft nicht vorkommen, dass rassistische Aufsätze veröffentlicht werden. Sie müssen diesen Aufsatz zurückziehen und sich öffentlich entschuldigen. Im Übrigen müssen Sie endlich die Überbleibsel des Nationalsozialismus aus Ihren Produkten entfernen und die einschlägigen Produkte umbenennen.

Mit freundlichen Grüßen
Friedrich Straetmanns, MdB

 

Nachrichtenquelle: Read More