Jutta Krellmann, MdB: Arbeitsschutz: Mehrheit der Beschäftigten leistet keine Büroarbeit

Auswertung
der Antwort der Bundesregierung auf die Kleine Anfrage „Büroarbeit und
körperliche Gesundheit“ (BT-Drs. 19/23247) von Jutta Krellmann u.a. und der
Fraktion DIE LINKE im Bundestag

Zusammenfassung:

Die Mehrheit aller Beschäftigten leistet
keine Büroarbeit. Ihr Anteil ist von 56,2 Prozent im Jahr 2006 auf 53,7 Prozent
im Jahr 2018 gesunken. Knapp die Hälfte der Beschäftigten in Deutschland
leistet Büroarbeit. Büroarbeit wird angenommen,
wenn Beschäftigte häufig mit dem Computer und im Sitzen
arbeiteten.  Knapp über die Hälfte aller
Beschäftigten arbeitet häufig im Sitzen. Während dies für alle Büroarbeitende
gilt, ist es bei den Nicht-Büroarbeitenden nur etwa jede/r Achte. Lange, wenig unterbrochene Sitzzeiten stehen u. a. im Verdacht das Risiko
für Muskel-Skelett-Erkrankungen zu erhöhen.

Mehr als ein Viertel aller
Beschäftigten fühlt sich durch häufiges Sitzen belastet, 2006 waren es ein
Fünftel. Büroarbeitende fühlen sich häufiger belastet, als
Nicht-Büroarbeitende. Fast ein Drittel der Frauen in Büroarbeit fühlen durch
häufiges Sitzen belastet, bei den Männer sind es nur ein Viertel. Mehr als die
Hälfte aller Beschäftigten klagt über Schmerzen im unteren
Rücken/Kreuzschmerzen, auch etwa vier von zehn
Bürobeschäftigten sind betroffen. Aufgrund dieser Schmerzen haben sich mehr als
die Hälfte aller Betroffenen in den letzten zwölf Monaten behandeln lassen, der
Anteil bei den Bürobeschäftigten ist sogar etwas höher.  

Fast ein Viertel aller Krankentage (AU-Tage) geht auf
Muskel-Skelett-Erkrankungen zurück (23,4 Prozent). Diese sind die
Diagnosegruppe, auf die die mit Abstand meisten Krankschreibungen zurückgehen. Muskel-Skelett-Erkrankungen verursachten 2018
Produktionsausfallkosten und Ausfall an Bruttowertschöpfung im Umfang von über
50 Milliarden Euro. Dieser Wert ist im Vergleich zum Jahr 2004 um 88
Prozent gestiegen.

Die Wirtschaftszweige mit der meisten Büroarbeit sind  das Kredit- und Versicherungsgewerbe (89,3
Prozent), öffentliche Verwaltung (80,8 Prozent) sowie Immobilien, Vermietung
Dienstleistungen für Unternehmen (75,0 Prozent). Die Branchen mit der stärksten
Zunahme an Büroarbeit sind Land- und Forstwirtschaft (+ 26,8 Prozent),
Erziehung und Unterricht (+ 18,5 Prozent) sowie Gastgewerbe (+ 18,3 Prozent).

O-Ton Jutta
Krellmann, MdB, Sprecherin für Mitbestimmung und Arbeit für DIE LINKE im
Bundestag:

„Arbeitsschutz ist Arbeitgeberpflicht, ob im Betrieb oder im Home Office. Arbeitgeberpräsident Dulger hat doch nicht mehr alle Tassen im Schrank, wenn er die Verantwortung auf die Beschäftigten abwälzt. Die Mehrheit der Beschäftigten kann gar nicht von zuhause aus arbeiten. Auch sie haben in der Corona-Krise ein Recht auf sichere Arbeitsbedingungen. Wir brauchen Schutzmaßnahmen an jedem Arbeitsplatz, um auch dort mögliche Infektionsketten zu durchbrechen. Betriebe die fahrlässig die Gesundheit ihrer Mitarbeiter gefährden, müssen konsequent dichtgemacht werden. Wer im Home Office arbeitet ist zwar sicher vor Corona, macht sich im Zweifel aber den Rücken kaputt. Schon heute verursacht das Kosten in Milliardenhöhe. Statt Arbeiten am Küchentisch, brauchen wir ordentliche Arbeitsplätze auch zuhause. Die Arbeitgeber müssen für die entsprechende Ausstattung sorgen. Betriebsräte brauchen Mitbestimmungsrechte bei Homeoffice und mobiler Arbeit. Aber besonders da, wo es keine Betriebsräte gibt, muss der Staat besser kontrollieren. Deshalb ist es höchste Zeit für eine verpflichtende Arbeitsschutzerklärung. Arbeitgeber müssten dann den Aufsichtsbehörden regelmäßig mitteilen, was sie für den Arbeitsschutz tun. Elektronisch übermittelt, automatisch geprüft, wie bei der Steuererklärung. Die Arbeitsschutzkontrolleure hätten endlich Anhaltspunkte, wo sie genauer hinschauen müssen“.

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