Jutta Krellmann, MdB: COVID-19: Über zwei Drittel der gemeldeten Arbeitsunfälle nicht anerkannt

Zusammenfassung:

Es wurden 119.675 Anzeigen auf Verdacht
von COVID-19 als Berufskrankheit gestellt und 
71.232 Fälle anerkannt. Dies entspricht einer Anerkennungsquote von knapp
60 Prozent. Etwa sieben von zehn Anzeigen wurden bei der Berufsgenossenschaft
für Gesundheitsdienst und Wohlfahrtspflege gestellt, etwa 60 Prozent davon
wurden anerkannt.

Von 20.392 gemeldeten Fällen von COVID-19 als
Arbeitsunfall wurden 6.107 anerkannt, dies entspricht Anerkennungsquote von knapp
30 Prozent. Die meisten wurden bei den Unfallversicherungsträgern der
öffentlichen Hand und der BG Nahrungsmittel und Gastgewerbe (BGN) gemeldet. Die
Anerkennungsquote bei den Unfallkassen liegt bei knapp 45 Prozent, bei der BGN
bei etwa 14 Prozent.

Bei der Sozialversicherung für Landwirtschaft,
Forsten und Gartenbau (SVLFG) wurden zwei Anzeigen auf COVID-19 als
Berufskrankheit gestellt, beide wurden abgelehnt. Bei der SVLFG wurden 32
Arbeitsunfälle aufgrund von COVID-19 gemeldet, bislang wurde keiner anerkannt.

Die Beratungen des Ärztlichen
Sachverständigenbeirats (ÄSVB) zu Covid-19 sind noch nicht abgeschlossen. Das
ÄSVB gibt gegenüber dem Ministerium für Arbeit und Soziales Empfehlungen und
Stellungahmen ab, ob auch andere Berufsgruppen und Tätigkeiten für Covid-19 als
Berufskrankheit in Betracht kommen. Diese Frage wird vom ÄSVB anhand wissenschaftlicher
Erkenntnisse und Studien zu Covid-19 geprüft. Nach aktuellem Stand konnte ein
vergleichbares Infektionsrisiko bei anderen Berufsgruppen bisher noch nicht
festgestellt werden.

O-Ton Jutta
Krellmann, MdB, Sprecherin für Mitbestimmung und Arbeit, DIE LINKE im
Bundestag:

„Wer bei seiner Arbeit an Corona erkrankt, muss sich auf den Schutz der gesetzlichen Unfallversicherung verlassen können. Angesichts hunderttausender schwer Erkrankter und zunehmender Langzeitfolgen glaubt doch kein Mensch, dass sich nur so wenige bei der Arbeit angesteckt haben. Es darf nicht sein, dass berechtigte Ansprüche ins Leere laufen, damit die Arbeitgeberbeiträge zur Unfallversicherung niedrig bleiben. Hier brauchen wir volle Transparenz und eine klare Linie. Als LINKE fordern wir einen Weg der Anerkennung für alle: Corona muss für jede Beschäftigtengruppe als Berufskrankheit anerkannt werden können. In der Pandemie ist dies letztlich eine politische Frage, die politisch beantwortet werden muss. Außerdem brauchen wir endlich Beratungsstellen für Betroffene von Berufskrankheiten flächendeckend und in jedem Bundesland “.

Hier findet ihr die Kleine Anfrage und die Antworten der Bundesregierung
Hier geht es zu unserer Auswertung und Zusammenfassung

Und hier die Berichterstattung dazu in der Frankfurter Rundschau

Nachrichtenquelle: Read More