Jutta Krellmann, MdB: Psychische Erkrankungen: ältere Beschäftigte im Gesundheitswesen beson-ders stark betroffen

Auswertung der Antwort der Bundesregierung auf die Kleine Anfrage „Alternde
Belegschaften und psychische Belastungen bei der Arbeit“ (Drs. 19/23898) von Jutta
Krellmann u.a., DIE LINKE im Bundestag

Zusammenfassung:

Die Anzahl der Arbeitsunfähigkeitstage
aufgrund von psychischen und Verhaltensstörungen hat sich in den letzten zehn
Jahren verdreifacht (+ 213 Prozent). Die Betroffenheit von älteren Beschäftigte
ab 45 Jahre ist um mehr als drei Viertel höher, als bei Jüngeren. Frauen sind um
etwa zwei Drittel stärker betroffen als Männer. Ältere Beschäftigte im
Gesundheits- und Sozialwesen sind mehr als doppelt so häufig wegen psychischer
Erkrankungen krankgeschrieben, als im Durchschnitt aller Branchen und Altersgruppen.
Die am stärksten betroffene Beschäftigtengruppe sind ältere Frauen im
Gesundheits- und Sozialwesen.

Der Anteil älterer (50 +) an der Gesamtzahl aller Beschäftigten ist in
den letzten zehn Jahren von etwa 29 auf knapp 37 Prozent
gestiegen, die Anzahl älterer Beschäftigter ist um fast die Hälfte angewachsen.
Der Anteil älterer
sozialversicherungspflichtiger Beschäftigter im Gesundheits- und Sozialwesen
ist von 25 Prozent im Jahr 2009
auf 35 Prozent im Jahr 2019
gestiegen. Bei ausschließlich geringfügig Beschäftigten ist der Anteil im
selben Zeitraum von 38 auf 57 Prozent gestiegen.

Die Anzahl der Ausfalltage aufgrund von
psychischen und Verhaltensstörungen hat sich von 27,3 Millionen Ausfalltagen im
Jahr 1998 auf 111,8 Millionen Ausfalltage im Jahr 2018 erhöht. Die anteiligen
Produktionsausfallkosten am Bruttonationaleinkommen haben sich in diesem
Zeitraum mit 13,3 Milliarden € vervierfacht. Jede vierte Frühberentung geht auf
die Diagnose „Psychische Störungen“ zurück, mit steigender Tendenz.

Wesentliche
arbeitsbezogene Stressoren sind Zeit- und Leistungsdruck, Multitasking, häufige
Unterbrechungen, geringe Kontrolle über die Arbeit, unfaire Entlohnung,
Monotonie und Arbeitsplatzunsicherheit sowie nicht zuletzt Mobbing und
schlechte Führung. Vor allem ältere Beschäftigte zeigen negative
Körperreaktionen auf Stress, insbesondere wenn sie nicht über hinreichende
Bewältigungsstrategien verfügen. Mit zunehmendem Alter steigt die Belastung
durch häufigen Termin- oder Leistungsdruck, durch das Betreuen von
verschiedenen Arbeiten gleichzeitig belastet, man arbeitet häufiger an der
Grenze seiner Leistungsfähigkeit und hat häufiger Probleme nach der Arbeit
abschalten zu können.

Zur
Vermeidung von Gefährdungen kommt der Durchführung der Gefährdungsbeurteilung
psychische Belastungen eine große Bedeutung zu, erklärt die Bundesregierung. Aber
nur 5 Prozent aller Betriebe setzen die
Gefährdungsbeurteilung vollständig um. Etwa drei von zehn Betrieben führen
Gefährdungsbeurteilungen durch, ohne psychische Belastungen zu berücksichtigen.
In Betrieben mit Betriebsrat werden Gefährdungsbeurteilungen häufiger
durchgeführt.

O-Ton Jutta
Krellmann, MdB, Sprecherin für Mitbestimmung und Arbeit, DIE LINKE im
Bundestag:

„Es ist ein Offenbarungseid: diejenigen, die wir am meisten brauchen, brennen am schnellsten aus. Bessere Arbeitsbedingungen in Gesundheit, Pflege und sozialen Berufen sind überfällig. Wettbewerb und Markt haben in diesen Bereichen nix zu suchen. Leider hat es eine Corona-Pandemie gebraucht, damit sich diese Einsicht langsam durchsetzt. Es ist höchste Zeit für einen besseren Arbeits- und Gesundheitsschutz in allen Bereichen der Wirtschaft. Die bestehenden Instrumente reichen nicht aus. Wir brauchen eine Anti-Stress-Verordnung, die Arbeitgebern klar vorschreibt, wie Beschäftigte vor Stress, Ermüdung und Monotonie zu schützen sind. Außerdem gilt es die betriebliche Mitbestimmung auszuweiten. Starke Betriebsräte, die sich schützend einmischen können, sind die richtige Antwort auf Stress und Arbeitsverdichtung. Gerade dort wo es keine Betriebsräte gibt, muss der Staat viel häufiger und zielgerichteter kontrollieren. Hierfür braucht es mehr Personal, digitale Ausstattung und Mut zu abschreckenden Bußgeldern. Hier muss die Bundesregierung, die Länder entsprechend antreiben“.

Hier geht es zur vollständigen Auswertung der Kleinen Anfrage
Hier findet ihr die Kleine Anfrage und die Antwort der Bundesregierung

Hier die Berichterstattung beim RND

Nachrichtenquelle: Read More