Linksfraktion.Brandenburg: Er fehlt uns! Gedenken an Michael Schumann zum 20. Todestag

Wenige Wochen vor seinen unerwarteten Tod durch einen Autounfall begründete Prof. Dr. Michael Schumann am 21. September 2000 im Landtag den PDS-Antrag „Gegen Rechtsextremismus und fremdenfeindliche Gewalt – für ein tolerantes und weltoffenes Brandenburg“. Er, der in all den Jahren seiner Zugehörigkeit zum Brandenburger Landtag (1990 bis 2000) ein wichtiger Streiter gegen Rechtsextremismus und Fremdenfeindlichkeit war, erklärte damals: „Das Parlament, das ein wichtiger Teil der Öffentlichkeit Brandenburgs ist, hat die Pflicht, in dieser Frage immer wieder die Fahne zu hissen, sich in möglichst großer Einmütigkeit gegen Rechtsextremismus und fremdenfeindliche Gewalt, für ein tolerantes und weltoffenes Brandenburg deutlich zu erklären. Insbesondere die Verantwortungsträger aller Ebenen, die Kommunalpolitiker, die Lehrerinnen und Lehrer, die Polizistinnen und Polizisten, die Inhaber von Ehrenämtern aller Art müssen spüren, daß

Parlament und Regierung ihnen in jeder Hinsicht den Rücken stärken, wenn sie sich im Sinne eines toleranten Brandenburg und gegen fremdenfeindliche Ressentiments und Gewalt engagieren. Das sind die Motive, die uns dazu bewogen haben, Ihnen den vorliegenden Antrag zum gegenwärtigen Zeitpunkt zu unterbreiten.“ Und wenige Momente später: „Ich will bei dieser Gelegenheit auch mit Blick auf die gestrige Debatte aber eines deutlich sagen: Unser Feindbild heißt nicht Schönbohm. Unser Feindbild beginnt da, wo schwarz-rot-golden aufhört und schwarz-weiß-rot beginnt. Damit das ganz klar ist!“ Wie aktuell ist das leider im Jahr 2020 noch!

Man könnte an vieles erinnern, wenn es um Micha Schumann und seine Rolle in der Fraktion geht, etwa auch an die Zeit Ende der ersten Wahlperiode als er, der Linke, gemeinsam mit Wolfgang Birthler (SPD), Peter-Michael Diestel (CDU), Siegfried Lietzmann (FDP) und dem Fraktionslosen Rolf Wettstädt den Antrag „Mit menschlichem Maß die Vergangenheit bewerten“ auf den Weg brachte und dafür eine breite Mehrheit des Landtages gewann.

Beim heutigen Gedenken auf dem Bornstedter Friedhof waren es aber vor allem die ganz persönlichen Erinnerungen, die ehemalige Mitstreiterinnen und Mitstreiter mit Michael Schumann verbinden. Seine Menschlichkeit, seine Klugheit, seine Bereitschaft, sich auf sein Gegenüber einzulassen und nicht den Professor „heraushängen“ zu lassen. Ja, und es war und ist vor allem auch sein Humor, der vielen bis heute in Erinnerung ist. In Situationen wie der nachfolgenden etwa:

In ihrer Rede zur Änderung der Kommunalverfassung hatte Britta Stark (SPD), die spätere Landtagspräsidentin, an Micha Schumann gewandt, gesagt: „Sehr verehrter Kollege Schumann, ich kann mir hier ein breites Grinsen nicht verkneifen. Salopp und bildlich gesprochen: Sie sind als Tiger gestartet und als Bettvorleger gelandet.“ Die Antwort von Michael Schumann, festgehalten im Protokoll der Landtagssitzung am 9. November 1995, war kurz und knapp: „Vor Ihrem Bett gerne!“

 

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