Linksfraktion.Brandenburg: Treuhand-Ausstellung im Landtag eröffnet

Es gibt wohl kaum Ostdeutsche über 40, die nicht eigene Erlebnisse mit der Ära der Treuhand verbinden. Deren Politik brach 1990 wie ein Schicksalsschlag über sie herein. Gingen sie im Herbst 1989 für Freiheit und Demokratie auf die Straße, nahm ihr Leben nun häufig eine ungewollte Wendung. 9.000 volkseigene Betriebe mit insgesamt 4,1 Millionen Arbeitsplätzen sollte die Treuhandanstalt innerhalb kürzester Zeit »markttauglich« machen. Die Betriebe wurden privatisiert oder liquidiert. Millionen Menschen wurden arbeitslos.

Wie erging es den Betroffenen dabei? Wie gingen sie mit dieser »Schocktherapie« um? Wie verarbeiteten sie die biografischen Brüche? Davon erzählt eine Ausstellung der Rosa-Luxemburg-Stiftung, die seit dieser Woche im Landtag auf dem Flur der Linksfraktion zu sehen ist. Sie gibt einen Einblick in die Vielzahl der Lebenswege.

Dr. Dagmar Enkelmann, Vorsitzende der Stiftung, berichtete bei Eröffnung, wie sich die Treuhand wandelte: Von einer Instititution, die das Volksvermögen der DDR auf demokratischem Wege bewahren sollte, zu einer reinen Privatisierungs-Instanz, die Betriebe ohne Rücksicht auf Arbeitsplätze und know how zerstückelte, verkaufte oder schloss. 

Kurz vor dem dreißigsten Jahrestag der Deutschen Einheit lässt die Ausstellung Zeitzeuginnen und Zeitzeugen auf Schautafeln selbst zu Wort kommen. Einer von Ihnen, Dr. Martin Wilke, erzählte bei der Eröffnung von seinen Erfahrungen mit der Treuhand. Wilke, später Oberbürgermeister von Frankfurt (Oder), war vor der Wende Gruppenleiter im dortigen Halbleiterwerk und berichtete, wie die einstmals 8.000 Arbeitsplätze des Unternehmens in den Neunzigerjahren nach und nach vollständig verschwanden; wie Frankfurt in der Folge tausende Einwohner verlor. Unsere Fraktionsvorsitzende Kathrin ­Dannenberg, Moderatorin bei der Eröffnung, zeigte sich tief beeindruckt von Wilkes Geschichte.

Die Ausstellung „Schicksal Treuhand – Treuhand-Schicksale“ ist noch bis zum 16. Oktober in Potsdam zu sehen – wegen des Umfangs auf zwei Ausstellungsorte verteilt: Auf die Wissenschaftsetage im Bildungsforum Potsdam und den Flur der Fraktion DIE LINKE. im Landtag Brandenburg.

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