Linksfraktion.Brandenburg: Zuhören, fragen, reden – Kathrin Dannenberg auf Sommertour

Unsere Fraktionsvorsitzende Kathrin Dannenberg hat auf ihrer Sommertour in den letzten zwei Wochen die Lausitz bereist und viele interessante Menschen getroffen. Von ihren Erfahrungen lesen Sie hier in diesem Bericht:

Meine erste Station: Das Nachwuchs-Literatur-Zentrum „Ich schreibe!“ – ein Zentrum für Literatur, Kunst, Geschichte und Bildung, eine Begegnungsstätte und Galerie im Ländlichen, in der Gartenstadt Marga in Senftenberg mit engagierten Künstler*innen

Dort wird unter anderem, mit vielfältigen Aktionen und ehrenamtlichem Engagement des Vereins, die Lust der Kinder auf das Schreiben geweckt und gefördert, Ausstellungen organisiert, mit Schulen zusammen gearbeitet- kulturelle Bildung ermöglicht.

Wolfgang Wache, Leiter des Vereins machte deutlich, dass dies nicht hauptsächlich über Projektförderung möglich ist. Wenn wir junge Künstler*innen im Ländlichen halten wollen, brauchen wir dringend eine ordentliche Grundfinanzierung. Fachkräfte im Kulturbereich müssen angemessen entlohnt werden. Nur so kann man die vielen Ideen, die konzeptionell sowieso schon vorliegen, auch verwirklichen. Die Defizite in der künstlerischen Bildung sind durch die Corona Pandemie nur deutlicher geworden. Meine Spende von 500 Euro wurde gern angenommen, ist aber leider nur ein Tropfen auf den heißen Stein!

Meine zweite Station: Der Hort der Lindengrundschule in Missen – zum Gespräch mit der Hortleiterin Frau Gubatz und dem Bürgermeister von Vetschau, Bengt Kanzler

Die Lindengrundschule ist eine kleine Schule im Ländlichen, wo Lehrkräfte und Horterzieher*innen eng zusammen arbeiten, alle Kinder besuchen den Hort. Man fühlt sich sofort wohl, die Kinder stehen im Mittelpunkt, tolle Lernbedingungen, ein liebevoll gestalteter Außenbereich lädt zum Spielen ein, ein grünes Klassenzimmer  das neueste Projekt des Hausmeisters  gemeinsam mit den Eltern gebaut.

Und wie war es mit Corona? Der Bürgermeister kritisiert die zweideutigen und viel zu kurzfristigen Verordnungen des Ministeriums, die Hortleiterin spricht vom großen Engagement der Kolleg*innen und der Verunsicherung der Kinder und Eltern. Alles wurde möglich gemacht, sie haben Hand in Hand und viel gearbeitet, um den Kindern gerecht zu werden. Viel zu spät kam der Hygieneplan des Ministeriums. Aber: „Wir lieben unseren Beruf, es gibt keinen besseren.“ Sogar zwei Referendarinnen werden in den Ferien im Hort aushelfen, gefördert durch die Landesregierung, damit die Kinder ihre Fahrradprüfung ablegen können.

Und was wünschen sie sich? Frau Gubatz ist glücklich: „Ich liebe meinen Beruf, es gibt keinen besseren. Aber angerechnete bzw. bezahlte Stunden der Vorbereitung für ihre Arbeit mit den Kindern, das wäre gut. Wir machen unsere Vor- und Nachbereitung, unsere Berichte nach der Arbeit zu Hause.“ Ihre Hoffnung darauf scheint gering. Das ist eine Aufgabe für die Kita Novelle  ein Bildungsschlüssel, so, wie ihn auch der Landes-Eltern-Kitabeirat fordert. Dafür werden wir als Linke kämpfen!

Meine dritte Station: Der Hort in Calau im Schulzentrum – im Gespräch mit der Hortleiterin Frau Pietzig, die sagt, wir haben es gemeinsam gut gepackt.

Frau Pietzig spricht von Eltern, die hilflos vor der Tür standen und keine Betreuung für ihre Kinder hatten. Sie musste ablehnen, das war schwer  besonders für die Eltern und auch für die Kinder. „Personalprobleme hatten wir nicht, fast alle Erzieher*innen konnten arbeiten.“ Lehrkräfte haben am Vormittag die Notbetreuung mit unterstützt und mit den Kindern gelernt. Es war gut, dass die Kolleg*innen weiter bezahlt wurden, auch wenn sie zeitweise zu Hause bleiben mussten. Dafür ist sie dankbar.

Und was wünschen Sie sich? „Wir sind zufrieden. Wir haben hier gute Bedingungen und fühlen uns wohl, die Kinder fühlen sich wohl.“ Nun, allgemeine Zufriedenheit im Ländlichen. Erzieher*innen waren schon immer bescheiden!

Meine vierte Station: Der Hort im Schulzentrum in Vetschau, im Gespräch mit der Hortleiterin Frau Gräfe und dem Bürgermeister

Dobry dźeń! – so wurde ich im Vetschauer Witaj-Hort von der Hortleiterin Frau Gräfe begrüßt. Ich habe einen kleinen Einblick in diese so wichtige Arbeit bekommen. Frau Gräfe engagiert sich mit Herzblut für den Erhalt der sorbisch-wendischen Tradition und Sprache. Die Wände der Horträume sind liebevoll mit sorbischen Sagengestalten verziert, sie sind stolz auf die schönen sorbisch/wendischen Trachten für die Kinder. Unterstützung erhalten sie  auch durch die in der letzten Legislatur ermöglichten Förderung der Witaj-Kitas und -Horte.

Und wie war es hier mit Corona? Die Hortleiterin spricht von fehlender Zusammenarbeit mit den Lehrkräften und fehlender klarer Koordination durch das Land zwischen den Schulen und der Hortbetreuung. Sie bedauert, dass viele Flüchtlingskinder den Hort nicht mehr besuchen konnten und so der Kontakt verloren ging. Hier zeichnet sich eine erneute Sprachbarriere auf, denn die Kinder reden in ihren Familien oft in ihrer Muttersprache. Da wartet wieder viel Arbeit auf die Kolleg*innen.

Nach ihren Wünschen gefragt, wie in allen Einrichtungen, die ich besucht habe: Bescheidenheit – Hoffnung in die Novellierung des Kita-Gesetzes und die Anerkennung ihrer so wichtigen Bildungsarbeit.

Meine fünfte Station: Das Jugendhaus Pegasus in Senftenberg, Maik Conrad von der Stiftung SPI stellt seine Arbeit vor – besonders die Ferienprojekte

Beim Besuch des Kultur- und Freizeitzentrums „Pegasus“ konnte ich mich über die große Vielfalt dieses Hauses informieren. Das „Pegasus“ ist ein soziokulturelles Zentrum, welches für Kinder, Jugendliche und Familien sowie die Bürger*innen der Stadt Senftenberg und der Region offensteht und dessen Träger die Stiftung SPI ist.

Zum vielfältigen Spektrum gehören neben dem Schwerpunktbereich „Offene Jugendarbeit“ Kurse und Workshops, die Zusammenarbeit in Projekten mit Schulen, Angebote für Familien und die Umsetzung von soziokulturellen und interkulturellen Projekten. Das Team setzt dabei Schwerpunkte in den Bereichen Medien-, Erlebnis- und Musikpädagogik. Auch der Hort „Art-Kids“ ist integriert.

Und wieder die Frage: Wie war es mit Corona? Die Hortleiterin sagt, dass sie es irgendwie geschafft haben, die Kinder von 7 Uhr bis teilweise 17 Uhr zu betreuen. Auch hier gab es wenig Absprache und Hilfe durch die Schule.

Maik Conrad, Leiter der Einrichtung, bedauert, dass das Internationale Jugendworkcamp dieses Jahr ausfallen musste. Jedes Jahr treffen sich im „Pegasus“ Jugendliche verschiedener Nationen und Kulturen aus den Ländern Spanien, Ukraine, Italien, Tschechien, Serbien, Frankreich und Deutschland. Und trotzdem gibt es viele Ferienangebote, z. B. das Medien-, Theater- und Actioncamp.

Was wünschen sie sich? „Gerade jetzt brauchen wir verlässliche Kinder-und Jugendarbeit, verbunden mit einer nachhaltigen Personalfinanzierung und eben keine befristeten Arbeitsverträge, feste Kooperationen mit den Schulen, um Medienbildung zu realisieren!“ Dafür gibt es imJugend-Informations- und Medienzentrum (JIM) die Kompetenzen, die noch zu wenig genutzt werden.

Meine sechste Station: Kita Zwergenhaus am See in Senftenberg im Gespräch mit der Leiterin Frau Krüger

Der FRÖBEL-Kindergarten Zwergenhaus am See in Senftenberg bietet liebevolle und kompetente Bildung, Erziehung und Betreuung für 206 Kinder im Alter von 1 bis 10 Jahren.

Im Team  30 Mitarbeiter*innen, Erzieher*innen, Künstler*innen und Integrationshelfer*innen. Als Kiez-Kita haben sie viel zu leisten, sie tun das mit viel Engagement und Herz für die Kinder. Im Gespräch mit der Leiterin Frau Krüger wurde klar, dass oft die Interessen der Erzieher*innen untergehen und besonders zu Coronazeiten ihr Beruf kaum Wertschätzung erfahren hat. Sie fühlten sich oft allein gelassen.

Die Erzieher*innen waren es, die die Notbetreuung ermöglichten, mit zig Verordnungen klarkommen mussten, die Hausaufgabenbetreuung im Hort realisierten, einen riesen Bürokratieaufwand bewältigten und auch die Sorgen, Ängste und Unzufriedenheit der Eltern abfingen. Mal abgesehen von der Betreuung ihrer eigenen Kindern- denn sie waren ja nicht systemrelevant!

Wünsche gibt es viele, aber wichtig wäre einzusehen, dass Kita zur Bildung gehört, so Frau Krüger. Das Kita-Gesetz ist zu kompliziert, die Finanzierung des pädagogischen Personals unzureichend.

Was hab ich mitgenommen?

  1. Wir haben tolle engagierte Kolleginnen und Kollegen in den Kitas, Horten und Jugend und Kultureinrichtungen, die ihren Beruf und die Kinder lieben.
  2. Ihre Arbeit  und oft zusätzliche ehrenamtliche Tätigkeit braucht mehr Wertschätzung.
  3. Befristete oder Teilzeit-Arbeitsverträge, besonders in der Kinder- und Jugendarbeit und in der kulturellen Bildung, darf es nicht geben!
  4. Die Einrichtungen brauchen eine verlässliche Finanzierung
  5. Die Kita-Novelle darf nicht so viel Zeit kosten  es gibt zu viele Unklarheiten, was die Finanzierung der Kitas und Horte betrifft.
  6. Finanzschwache Kommunen brauchen mehr Unterstützung durch das Land, denn der Rotstift wird allzu oft in diesen Bereichen angesetzt.
  7. Falls es zu einer zweiten Infektionswelle kommt, muss das Land klare Regelungen finden, die nicht erst über Nacht kommuniziert werden.

Ich bin dankbar für die Gespräche. DIE LINKE wird sich kümmern!

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