Linksfraktion: Deutsche Mitverantwortung für den Völkermord an den Armeniern nicht unter den Teppich kehren

„Jedes Jahr am 24. April gedenken die Armenierinnen und Armenier weltweit des Völkermords an ihren Vorfahren im Osmanischen Reich während des Ersten Weltkriegs. Das diesjährige Opfergedenken steht im Schatten der Corona-Pandemie, aber es darf nicht aus dem Bewusstsein der Öffentlichkeit gedrängt werden. Die Verhaftung und Ermordung der intellektuellen, politischen und künstlerischen Elite der Armenier am 24. April 1915 in Istanbul bildete den Auftakt einer von der damaligen jungtürkischen Regierung von langer Hand geplanten staatlichen Vernichtungsaktion. Armenische Männer im wehrfähigen Alter wurden meist massakriert. Frauen, Kinder und Greise starben auf endlosen Todesmärschen in der Wüste. Unabhängigen Forschungen zufolge fielen bis zu 1,5 Millionen Armenierinnen und Armenier dem grausamen Vernichtungswerk zum Opfer. Deutschland war damals als engster Kriegsverbündeter des Osmanischen Reiches sowohl Mitwisser und teilweise Mittäter“, erklärt Helin Evrim Sommer, Abgeordnete der Fraktion DIE LINKE und stellvertretende Vorsitzende der deutsch-südkaukasischen Parlamentariergruppe, anlässlich des 106. Jahrestags des Völkermords an den Armeniern am 24. April. Sommer weiter:

„DIE LINKE nimmt aufrichtig Anteil am Schicksal der Opfer und teilt die tiefe Trauer der armenischen Gemeinschaft über dieses unfassbare Verbrechen, an dem auch Deutschland erhebliche Mitschuld trägt. Während die Türkei als Rechtsnachfolgerin des Täterstaats die Verbrechen bis heute offiziell bestreitet oder verharmlost, hat der Deutsche Bundestag vor fünf Jahren in einer fraktionsübergreifenden Resolution die Verbrechen als Völkermord anerkannt und die deutsche Mitverantwortung eingestanden. Diesem ersten wichtigen Schritt sind jedoch bislang keine weiteren wesentlichen Schritte zur Umsetzung der Resolution gefolgt.

Es ist längst überfällig, über den Völkermord im Schulunterricht jedes einzelnen Bundeslandes aufzuklären, um ein einheitliches historisches Wissen im deutschen Bildungssystem zu vermitteln. Damit ließe sich auch eine politische Vereinnahmung des Themas durch rechte Demokratiefeinde und nationalistische Kräfte wie beispielsweise die AfD wirksam unterbinden.“

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