Linksfraktion: Entschädigung für mosambikanische Vertragsarbeiter muss kommen – Offener Brief aus der Wissenschaft für Anerkennung und Gerechtigkeit

100 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler fordern in einem offenen Brief an den Bundestag, ehemalige Vertragsarbeiter zu entschädigen und erlittenes Unrecht anzuerkennen. Rund 20.000 Menschen aus Mosambik waren in der DDR beschäftigt und kämpfen bis heute um ihren einbehaltenen Lohn und um künftige Rentenansprüche. Mit Blick auf die damaligen Vertragsbedingungen kommen die Wissenschaftler zu dem Schluss, dass die Bundesrepublik offene Ansprüche anerkennen muss. Anlässlich der Übergabe des offenen Briefes an den Bundestag erklärt Gökay Akbulut, migrationspolitische Sprecherin der Fraktion DIE LINKE:

„Menschen, die migrieren, um in anderen Ländern zu arbeiten, sind und waren schon immer der Gefahr ausgesetzt, schlechter behandelt zu werden und im Zweifel ihre Rechte nicht geltend machen zu können. Die bewusste Anwerbung folgt oft einer Verwertungslogik, die nie den Menschen in den Mittelpunkt stellt, sondern die Arbeitskraft. So war es bei der Anwerbung der Gast- wie auch der Vertragsarbeiterinnen und Vertragsarbeiter. Und auch wenn es heute andere Bedingungen sind, haben wir dies im letzten Jahr bei den Fällen rumänischer Erntehelfer beobachtet, die aufgrund mangelnden Arbeitsschutzes an Corona erkrankten, oder etwa bei polnischen Pflegekräften, die in der Altenpflege in Deutschland bis zu 14 Prozent weniger verdienen als ihre deutschen Kolleginnen und Kollegen. Hier fehlen Arbeitsschutz und gewerkschaftliche Vertretung.

Auch den mosambikanischen Vertragsarbeiterinnen und Vertragsarbeitern, die zwischen 1979 und 1990 in der DDR angeworben wurden, entstanden erhebliche Nachteile. Über einen so genannten Lohntransfer behielt die DDR Lohnanteile der Vertragsarbeiterinnen und Vertragsarbeiter ein, welche bei ihrer Rückkehr in Mosambik ausgezahlt werden sollten. Diese Rückzahlungen blieben jedoch aus, sodass bis zum heutigen Tag die Madgermanes in Maputo vor der Deutschen Botschaft für ihren einbehaltenen Lohn kämpfen.“

Matthias Höhn ergänzt: „Die Vertragsarbeiter sind in besonderer Weise durch die geheimen Abkommen zwischen der DDR und Mosambik betrogen worden: individuelle Arbeitskraft gegen staatlichen Schuldenabbau. Nach Jahren der harten Arbeit stehen viele in Mosambik vor dem Nichts. Zurzeit diskutiert die Bundesregierung einen Härtefallfonds für bisher nicht anerkannte Rentenansprüche von DDR-Bürgern, jüdischen Zuwanderern und Spätaussiedlern. Hier geht es um außerhalb der BRD erbrachte Arbeitsleistungen und die heutige Lebenssituation der Betroffenen. Auch im Fall der Vertragsarbeiter entstehen die Ansprüche aus den Arbeitsjahren in der DDR. Für die Betroffenen in Mosambik braucht es daher Entschädigung und Anerkennung ihrer Leistungen und des erlittenen Unrechts.“

Die Fraktion DIE LINKE hat zur Thematik einen Antrag in den Bundestag eingebracht, in dem eine Aufklärung über die damaligen Verträge und ein Entschädigungsfonds gefordert wird, aus dem zumindest ein Teil der Forderungen abgegolten werden kann.

dip21.bundestag.de/dip21/btd/19/239/1923998.pdf

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