Linksfraktion.Hamburg: Fünf Jahre NEIN zu Olympia

Es war richtig und wichtig, dass die Hamburger_innen gegen die Austragung der Olympischen Spiele in Hamburg entschieden haben.

Olympische Spiele sind den Erfahrungen der letzten Jahrzehnte zufolge Großprojekte, die Städte und Kommunen über Generationen mit einem milliardenschweren Schuldenberg belasten und im schlimmsten Fall sogar in den Ruin treiben können. Nicht umsonst hatten auch Städte wie Rom und Toronto ihre Kandidaturen für die Olympischen Sommerspiele 2020 aus Kostengründen zurückgezogen.

DIE LINKE hat als einzige der im Parlament vertretenen Parteien dazu beizutragen, diese absehbare Verschuldung und einen ebenfalls absehbaren Abbau von Grundrechten im Zusammenhang mit den Spielen zu verhindern.

Ein weiterer wichtiger Aspekt war und ist die Frage nach der sportpolitischen Nachhaltigkeit derartiger Großereignisse und der mit ihnen Verbundenen Knebelverträge. Dies gilt sowohl für das IOC als auch für die FIFA und die UEFA.

Während ein erheblicher Sanierungsstau bei Hallen- und Sportflächen in Hamburg vor dem Referendum existierte und noch heute existiert und kleine und mittlere Vereine unter prekärsten Bedingungen um Sportflächen und Platz- bzw. Hallenzeiten ringen, wird mehr und mehr Geld in von der Grundausrichtung fragwürdige Großevents gesteckt. Große, prestigeträchtige und kostenintensive Sportevents wie Olympia, oft als Public-Private-Partnership-Projekte (PPP) organisiert, haben Konjunktur und sind für die privaten Organisator_innen ein gewinnträchtiges Geschäftsfeld – bedeuten für den Breitensport aber erfahrungsgemäß weitere Kürzungen. Dies gilt insbesondere für internationale Großveranstaltungen wie Europa- und Weltmeisterschaften oder eben die Olympischen Spiele. Wegen solchen Ereignissen fehlt schlicht das Geld, um auch den Breitensport zu finanzieren. Die prekäre Situation der Vereine hätte sich durch Olympia verstärkt. Dass die vermeintliche Nutzung von für Olympia gebauten Sportstätten dem Breitensport zugutekommt, hat sich ebenfalls weitgehend als Illusion herausgestellt. Die Nachnutzung der für die Olympischen Spiele errichteten Sportstätten gestaltet sich oft schwierig. Bau und Betrieb insbesondere von Sportanalagen, die weniger populär sind, bergen zudem das Risiko große, ungenutzte und mit Folgekosten verbundene Anlagen zu werden.

Erfahrungen zeigen, dass Olympische Spiele einen weitgehend nachteiligen Effekt auf die soziale Teilhabe der jeweiligen Bevölkerung haben: Mietssteigerung, Gentrifizierung und die Steigerung der Sozialen Spaltung – sowohl vor als auch nach den Spielen.

In diesem Rahmen wird Olympia zunehmend dafür genutzt die Stadtentwicklung internationalen Investor_innen zu überlassen, die dann profitorientierte aber nicht sozial ausgerichtete Konzepte, jenseits der Bedarfe der Mehrheitsbevölkerung an den Austragungsorten umsetzen.

In Tokyo waren die Kosten der Spiele auf 6,4 Milliarden kalkuliert, stiegen allerdings dann im Vorfeld weiter auf 27 Milliarden. Den Austragungsorten, an denen die Sommerspiele zuvor real ausgetragen wurden, erging es ähnlich. Die tatsächlichen Kosten überstiegen in allen Austragungsorten seit 1972 bei Weitem die kalkulierten Kosten. In den seltensten Fällen reichte das Budget aus, teilweise gibt es Abweichungen von bis zu 1400 Prozent des kalku- lierten Betrages. Hauptursächlich dafür waren meist Kostensteigerungen bei Baumaßnahmen. In London wurden 2012 2,6 Milliarden kalkuliert, die Spiele kosteten dann insgesamt 28,1 Milliarden Euro. Nach den Spielen 1976 war Montreal mit 1,5 Milliarden kanadischen Dollar verschuldet. Um den Schuldenberg abzubauen, erhob die Stadt unter anderem eine Sondersteuer auf Tabakwaren. Erst 30 Jahre später, im Jahr 2006, waren die Olympia-Schulden dann endgültig abbezahlt.

Bis zu 1,5 Milliarden Euro hätte allein die Verlagerung der Betriebe gekostet, die der Errichtung der Olympia-Sportstätten am Hafenrand hätten weichen müssen.

Die 51,6 % Hamburger_innen, die am 29.11.2015 gegen die Bewerbung für die Olympischen Sommerspiele 2024 stimmten, verhinderten Schlimmeres.

Die Hansestadt bleibt trotzdem vollständig auf den aufgelaufenen Kosten der Bewerbung hängen. Diese betragen weit mehr als 22 Millionen Euro.

Gerade in Zeiten der Weltwirtschaftskrise und der Corona Pandemie hätte eine zusätzliche Belastung des Hamburger Haushalts durch die für Olympia insgesamt mindestens zu erwartenden Kosten von mindestens 22 Milliarden Euro absehbar verheerende Folgen gehabt. In dieser Berechnung sind all die versteckten Kosten und der Schattenhaushalt enthalten, die der Senat in seiner Rechnung kaschiert hat. Selbst die vom Senat weit zu niedrig angesetzten Kosten von 11,2 Milliarden Euro, von denen dann 7,4 Milliarden Euro die öffentliche Hand hätte tragen sollen, wären eine untragbare Belastung. Im schlimmsten Fall wäre ein Haushaltscrash eingetreten.

Der olympische Gedanke ist ein Ausdruck der Völkerverständigung und des Friedens. Dieser Gedanke ist gerade in der heutigen Zeit von Kriegen, Menschenrechtsverletzungen und Herausforderungen wie Corona wichtiger denn je. Er wird allerdings durch das IOC seit einigen Dekaden pervertiert. Statt der Völkerverständigung dienen die olympischen Spiele weitgehend der Profitgier des IOC und einiger weniger multinationaler Konzerne.

Warum nicht Olympia alle vier Jahre in Athen austragen – die Infrastruktur ist dort vorhanden und könnte von Geldern des IOC erhalten und wenn nötig erneuert werden. Große Konzerne könnten zusätzlich, anstatt dass ihnen weitere Gewinne durch Olympia zugeschustert werden, insgesamt höher besteuert werden und so Geld für den Breitensport und gleiche soziale Rechte zur Verfügung stellen.

DIE LINKE lehnte aus gutem Grund, wie die Mehrheit der Hamburger_innen, unter den Bedingungen des IOC die Austragung von Olympischen in Hamburg ab. Die Entscheidung vor 5 Jahren war so gesehen ein Glücksfall und gibt Anlass zu feiern.

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