Linksfraktion.Sachsen-Anhalt: Erinnerung an Sigmund Jähn darf nicht verdrängt werden

Zur aktuellen Debatte um die Benennung des Halleschen Planetariums mit Sigmund Jähn erklärt die Fraktionsvorsitzende der Fraktion DIE LINKE, Eva von Angern:

„Die aktuelle Auseinandersetzung um die Benennung des neuen Planetariums in Halle hat eine politische Dimension, die weit über die Stadtgrenzen hinausreicht. Bereits vor einigen Wochen hat sich die Aufarbeitungsbeauftragte Sachsen-Anhalts, Birgit Neumann-Becker, kontrovers in die Willensbildung des Stadtrats eingebracht. Inzwischen hat der Kulturausschuss auf Grund der Gegenstimmen von CDU, FDP und Grünen die Übertagung des Namens Sigmund Jähn vom alten auf das neue Planetarium abgelehnt, obwohl die Fraktionen von CDU, FDP und Grünen ursprünglich diesen Vorschlag mit unterbreitet hatten.

Aus unserer Perspektive ist die Ablehnung der Benennung des neuen Planetariums mit Sigmund Jähn nicht nachvollziehbar, ja sogar ein großer Fehler.

Nein, Sigmund Jähn war in der DDR kein Oppositioneller, aber er war jemand, der als erster deutscher Kosmonaut zweifellos eine große und symbolträchtige Leistung vollbracht hat. Er hat dies als Akteur des politischen Systems der DDR getan, alles andere, das wissen wir, wäre auch nicht möglich gewesen. Nach 1989 hat sich Sigmund Jähn aktiv für die Einheit in den Köpfen eingesetzt und mit seiner bescheidenen, angenehmen Art auch im Westen der Bundesrepublik sehr viel Anerkennung erfahren. Er ist das Symbol einer ganzen Generation, die die Wertschätzung seiner Leistung mit ihrer eigenen Biografie verbindet. Wir wissen, auch in Sachsen-Anhalt fühlen sich viele Menschen auf Grund ihrer ostdeutschen Biografie zurückgesetzt, dies hat schwerwiegende Folgen für die Bewertung demokratischer Institutionen in unserer Gesellschaft.

Die Auseinandersetzung um die Namensgebung des Halleschen Planetariums ist auch eine Auseinandersetzung um die Bewertung der Biografien derjenigen Ostdeutschen, die versucht haben, ihr Bestes zu geben, ohne sich dabei in Opposition zum politischen System der DDR zu begeben.

Die erinnerungspolitische Verdrängung einer solchen Persönlichkeit wie Sigmund Jähn wäre ein schwerer Fehler bei der Überwindung der immer noch bestehenden Differenzen zwischen Ost und West in den Köpfen. Wir hoffen ausdrücklich, dass die breite Unterstützung, die der Vorschlag der Benennung des Planetariums mit Sigmund Jähn ursprünglich hatte, im Stadtrat endgültig doch noch zu einer Mehrheit führt. Alles andere wäre ein fataler Fehler mit Auswirkungen weit über die Stadtgrenzen Halles hinaus und weit in die Zukunft hinein.“

 

Magdeburg, 4. Februar 2021

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