Maskenmangel in einem maroden System – Susanne Schaper im Interview

Die Krankenschwester und sächsische Linke-Landeschefin Susanne Schaper über den Umgang mit der Coronakrise
von Hendrik Lasch (neues deutschland)

Sie haben die Corona-Pandemie mit einem Marathon verglichen, auf dem wir bei Kilometer fünf seien. Die öffentliche Debatte vermittelt den Eindruck, wir hätten gerade die Ziellinie passiert.

Die Kurve der Infektionen ist tatsächlich abgeflacht, aber die Gefahr ist keinesfalls gebannt. Pandemien verlaufen in aller Regel so, dass es zweite und dritte Wellen gibt. Über das Virus wissen wir noch immer zu wenig. Es gibt weder Impfstoff noch einen zuverlässigen Antikörpertest. Stufenweise Lockerungen halte ich für gerechtfertigt. Aber deren Effekte müssen kontrollierbar und nachvollziehbar sein.

Gelockert wird auf breiter Front: Läden, Restaurants öffnen wieder; bald sollen die Schulen und Kitas wieder in eine Art Regelbetrieb gehen. Ist das angebracht?

Als Mutter kann ich den Druck gut nachvollziehen. Der Heimunterricht für meine drei Kinder stößt an Grenzen. Für Alleinerziehende und Familien mit wenig Einkommen ist die Lage besonders schwierig. Wenn wir Lockerungen erwägen, müssen wir zuerst an Kinder und Familien denken. Man kann nicht Biergärten öffnen und Schulen geschlossen lassen. Aber wir dürfen auch den Schutz der Kinder, Lehrerinnen und Erzieherinnen nicht aus dem Blick verlieren.

Das Land setzt dafür auf die strikte Trennung von Gruppen und Klassen. Ist das praktisch umsetzbar?

Schwierig. Das System war schon vor Corona auf Kante genäht. Wir spüren in Sachsen jetzt die Erblast von 30 Jahren CDU-Regierungen. In Schulen und Kitas fehlt viel Personal, was es ungleich schwerer macht, jetzt auf die Situation angemessen zu reagieren. Es ist auch eigentlich undenkbar, jetzt eine Grundschule zu öffnen, die nur drei oder vier Waschbecken hat. So etwas müssen wir im Blick haben, wenn später wieder über Investitionen und Betreuungsschlüssel geredet wird.

Welche Möglichkeit hat die Linke als Oppositionspartei, bei solchen Fragen mitzureden? Der Landtag scheint derzeit außen vor.

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Sie haben die Corona-Pandemie mit einem Marathon verglichen, auf dem wir bei Kilometer fünf seien. Die öffentliche Debatte vermittelt den Eindruck, wir hätten gerade die Ziellinie passiert.

Die Kurve der Infektionen ist tatsächlich abgeflacht, aber die Gefahr ist keinesfalls gebannt. Pandemien verlaufen in aller Regel so, dass es zweite und dritte Wellen gibt. Über das Virus wissen wir noch immer zu wenig. Es gibt weder Impfstoff noch einen zuverlässigen Antikörpertest. Stufenweise Lockerungen halte ich für gerechtfertigt. Aber deren Effekte müssen kontrollierbar und nachvollziehbar sein.Read More