Rede: 6-Stunden-Schichten retten Leben

Sehr geehrte Frau
Präsidentin! Sehr verehrte Kolleginnen und Kollegen! Wir alle schauen
täglich auf die Zahlen des Robert-Koch-Instituts. Aber was bislang kaum
öffentlich wurde, ist: Über 11 000 Beschäftigte, die Covid-19-Patienten
versorgen, haben sich mittlerweile selber infiziert, und 17 Beschäftigte
sind daran verstorben. Alleine in den letzten sieben Tagen haben wir
ein Plus von 1 100 Beschäftigten, die sich infiziert haben – völlig
gegen den allgemeinen Trend.

Statt diese Beschäftigten weiter zu
belasten und zu überlasten, ist es dringend notwendig, die Arbeitszeit
bei vollem Lohnausgleich auf sechs Stunden täglich zu reduzieren.

(Beifall bei der LINKEN)

Warum?

Erstens.
Die Kolleginnen und Kollegen aus der Pflege berichten mir, dass es
Schwerstarbeit ist, in diesen Schutzanzügen zu arbeiten. Man ist in
kürzester Zeit durchgeschwitzt, und häufig fehlt dann auch noch das
Material zum Wechseln.

Zweitens. Die Erfahrungen in Wuhan haben
eines deutlich gezeigt: Ab dem Moment, als die Schichten auf sechs
Stunden reduziert wurden, starben weniger Patienten, und weniger
Beschäftigte haben sich angesteckt. Erst diese konsequente
Arbeitszeitverkürzung hat Patienten und Beschäftigte geschützt.

(Beifall bei der LINKEN)

Bei
uns findet genau das Gegenteil statt: Im Zuge der Pandemie kann per
Verordnung in systemrelevanten Berufen die Arbeitszeit auf bis zu
12 Stunden täglich und 72 Stunden wöchentlich ausgeweitet werden. Schon
allein aus Gründen des Arbeitsschutzes muss dieser Wahnsinn sofort
beendet werden!

(Beifall bei der LINKEN)

Deshalb sind die Pflegeberufe unverzüglich aus der Arbeitszeitverordnung herauszunehmen!

(Beate Müller-Gemmeke [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Brauchen wir überhaupt nicht mehr!)

Aber
die Arbeitszeit in der Pflege muss insgesamt reduziert werden. Ja,
dafür benötigt man Personal. Das gewinnt man durch attraktive
verbindliche Arbeitsbedingungen zurück.

(Beifall bei der LINKEN)

Fast
400 000 Fachkräfte haben nämlich diesem schönen Beruf den Rücken
gekehrt, und etliche haben sich in Teilzeit geflüchtet. Die Ursachen
sind: schlechte Bezahlung, aber vor allem Überlastung. Um das zu ändern,
reicht der Pflegebonus – der ist gut – nicht. Wir brauchen eine
tarifliche Bezahlung, kürzere Arbeitszeiten und einen verbindlichen
Personalschlüssel.

(Beifall bei der LINKEN)

Die
Arbeitszeit in der Intensivpflege muss also schnellstmöglich und für
alle anderen bis nach Ende der Pandemie auf 30 Stunden pro Woche
verkürzt werden.

(Beifall bei der LINKEN)

Meine
Damen und Herren, abschließend will ich Sie noch einmal daran erinnern:
Das Arbeitszeitgesetz ist ein Schutzgesetz. Wenn Beschäftigte und
Patienten in dem Maße gefährdet sind, dann muss der Staat eingreifen und
diesen Schutz stärken.

(Beifall bei der LINKEN)

Wir
haben hier in diesem Hohen Haus – es ist noch gar nicht so lange her –
den Pflegekräften stehend applaudiert. Aber das „Danke!“, das sich die
Pflegekräfte von einem Parlament erwarten dürfen, sind gesetzgeberische
Maßnahmen für bessere Arbeitsbedingungen.

Vielen Dank.

(Beifall bei der LINKEN)

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Sehr verehrte Kolleginnen und Kollegen! Wir alle schauen täglich auf die Zahlen des Robert-Koch-Instituts. Aber was bislang kaum öffentlich wurde, ist: Über 11 000 Beschäftigte, die Covid-19-Patienten versorgen, haben sich mittlerweile selber infiziert, und 17 Beschäftigte sind daran verstorben. Alleine in den letzten sieben Tagen haben wir ein Plus von 1 100 Beschäftigten, die sich infiziertRead More