Redebeitrag zum Antikriegstag

Liebe Friedensfreundinnen und Friedensfreunde,

ich freue mich, dass wir trotz aller Widrigkeiten im Vorfeld, hier und heute zum Antikriegstag zusammenkommen. Ich sage bewusst Antikriegstag und nicht Weltfriedenstag, denn von Frieden in der Welt kann nicht zuletzt wegen jüngster Ereignisse keine Rede sein. Daran ist Deutschland nicht unschuldig. Waffenexporte, dogmatisch beschworene internationale Verantwortung und vor allem wirtschaftliche Interessen prägen die Rolle unseres Landes bei der Kriegstreiberei.

Seit Rot-Grün die Bundeswehr 1999 in den völkerrechtswidrigen Kosovo-Krieg geschickt hat, ist die deutsche Armee auch selbst als internationale Eingreiftruppe im Dauereinsatz. Kein Jahr, in dem die Bundeswehr nicht irgendwie an gleich mehreren bewaffneten Einsätzen beteiligt ist. Nach dem menschenunwürdigen Ende des Afghanistaneinsatzes sind, nach Angaben der Bundeswehr, immer noch über 2000 deutsche Soldaten international eingesetzt. 

Aber nach Afghanistan, nach Irak, nach Lybien, nach Syrien wissen wir es: Wir führen Wirtschaftskriege. Der ehemalige Bundespräsident Horst Köhler musste für das Aussprechen dieser Wahrheit noch zurücktreten. Seitdem ist viel passiert und der damalige Verteidigungsminister de Maiziere hat in die verteidigungspolitischen Richtlinien aufgenommen, dass es eine wesentliche Aufgabe der Bundeswehr sei, Zitat: „einen freien und ungehinderten Welthandel sowie den freien Zugang zur Hohen See und zu natürlichen Ressourcen zu ermöglichen.“  Das lässt an Klarheit nichts zu wünschen übrig.

Liebe Friedensfreundinnen und Friedensfreunde: Bomben schaffen keinen Frieden! Wir müssen uns immer wieder bewusst machen, dass Kriege für bestimmte Kreise ein gutes Geschäft sind, bei dem einige wenige Konzerne exorbitante Profite einstreichen und die Bürgerinnen und Bürger diejenigen sind, die diesen Wahnsinn bezahlen. 

Jeder Euro, der in einen Krieg oder in neue Aufrüstung investiert wird, fehlt in der Bildung, fehlt beim Aufbau neuer Verkehrskonzepte, fehlt beim sozial-ökologischen Umbau oder bei Aufklärungsprojekten zum Thema Rechtsextremismus.

Wir brauchen endlich Politikerinnen und Politiker, die sich ihrer Verantwortung bewusst sind, die Krieg nicht für ein Mittel der Politik halten, sondern für das schlimmste Menschheitsverbrechen überhaupt. Wir brauchen Friedenskonferenzen, pazifistische Konfliktlösungsstrategien und erheblich mehr Wissen darüber, wer diejenigen sind, die aus Profitgier für Kriege lobbyieren. Denn das erste Opfer des Krieges ist die Wahrheit. Wie es Bert Brecht so schön auf den Punkt brachte: „Wer die Wahrheit nicht weiß, der ist bloß ein Dummkopf. Aber wer sie weiß und sie eine Lüge nennt, der ist ein Verbrecher!” 

Wir dürfen Regierungen ihre Stellvertreterkriege nicht mehr durchgehen lassen, wir brauchen die Bereitschaft zu Zugeständnissen, auf allen Seiten, internationale Garantien, Demokratisierung und Wiederaufbauhilfe für Staaten, die der Westen in die Steinzeit zurückgebombt hat. Und wir dürfen die Menschen in den betroffenen Ländern nicht im Stich lassen, die diese Werte teilen, ihnen Hilfe bei der Flucht anbieten. Das geht nicht ohne Druck von der Straße und nicht ohne Druck an den Wahlurnen. Ohne unser Antikriegs-Engagement wird das Morden nicht enden. Es wird weitergehen wie im Irak, in Syrien, in Libyen, im Jemen, in Mali oder in Afghanistan bis heute. 

Deshalb ist der Antikriegstag als Gedenktag so wichtig. Vor 82 Jahren hieß es „seit 5.45 Uhr wird zurückgeschossen“, eine Propagandalüge, mit der die Nazis der Bevölkerung weismachten, dass Polen den Krieg begonnen hätte.

Viele Lehren gibt es zu ziehen aus der Katastrophe des deutschen Faschismus, viel an historischer Verantwortung zu übernehmen. 

Der Mensch ist Kraft seiner Glaubensvorstellungen zu den schlimmsten Übeltaten befähigt, aber gleichzeitig auch dazu so etwas wertvolles wie Menschenrechte hervorzubringen. 

Deshalb sollte die wichtigste Lehre lauten, nie wieder auf die Lügen der Kriegspropaganda hereinzufallen. Nie wieder der Verlockung vermeintlich einfacher, aber in Wirklichkeit nur zerstörerischer Lösungen zu erliegen. Dafür gilt es, das Bewusstsein bei allen Generationen zu schärfen. Und dazu gehört eben auch die Erinnerung. 

Dazu gehört das würdige Gedenken an diejenigen, die sich in der finstersten Zeit der deutschen Geschichte mutig dem Morden entgegengestellt haben.

Dazu gehört aber auch wach zu bleiben und immer wieder aufs Neue den Kriegstreibern durch entschlossenes Handeln das blutige Handwerk zu legen. 

Wenn der amerikanische Präsident jetzt Vergeltung für die Anschläge von Kabul fordert, so muss man ihm mit Berta von Suttner antworten: „Keinem vernünftigen Menschen wird es einfallen, Tintenflecken mit Tinte, Ölflecken mit Öl wegwaschen zu wollen. Nur Blut soll immer wieder mit Blut abgewaschen werden.“

Also lasst uns gemeinsam an den Grundsatz für ein friedliches Zusammenleben erinnern, der da lautet: 

Nie wieder Krieg, nie wieder Faschismus!

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