Sabine Zimmermann, MdB: Internationaler Kindertag: Kinderarmut endlich den Kampf ansagen

Ende 2020 gab es bundesweit 1.848.994 Kinder unter 18
Jahren in Hartz IV-Bedarfsgemeinschaften. 829.768 Kinder unter 18 Jahren lebten
im Dezember 2020 in einer Alleinerziehenden-Bedarfsgemeinschaft. Ende 2020 lag
bundesweit der Anteil der Kinder unter 18 Jahren in einer Hartz
IV-Bedarfsgemeinschaft an der Gesamtbevölkerung dieser Altersgruppe bei 13,5
Prozent, in Westdeutschland bei 12,9 Prozent und in Ostdeutschland bei 16,1
Prozent. Den höchsten Anteil nach Bundesländern hatte Bremen mit 31,5 Prozent,
den niedrigsten Bayern mit 6,4 Prozent.  

Im Dezember 2020 gab
es zudem 767.930 Kinder, deren Eltern den so genannten Kinderzuschlag[1]
bezogen, im April 2021  706.188. Im
Januar 2020 waren es erst 299.168 Kinder gewesen.

Dies geht aus Daten der Bundesagentur für Arbeit hervor, die die Bundestagsabgeordnete
Sabine Zimmermann anlässlich des Internationalen Kindertages am 1. Juni
ausgewertet hat.

Die Sozialexpertin der Fraktion DIE
LINKE, die auch Vorsitzende des Ausschusses für Familie, Senioren, Frauen und
Jugend ist, erklärt dazu:

„Für eines der reichsten Länder der Erde ist
es beschämend, dass so viele Kinder von finanziellen Problemen betroffen sind. Die
Corona-Pandemie hat die Einkommenssituation für viele Familien deutlich
verschlechtert, wie vor allem der Anstieg beim Kinderzuschlag zeigt. Umso
dringender ist es, dass die Bundesregierung endlich ein umfassendes Konzept
gegen Kinderarmut vorlegt, das sie bislang den Eltern und ihren Kindern
schuldig geblieben ist. Die
Leistungen für Kinder müssen erhöht und eine eigenständige Kindergrundsicherung
eingeführt werden. Die sozialen Leistungen müssen Armut verhindern und
gesellschaftliche Teilhabe ermöglichen.“

Zimmermann weiter:

„Genau betrachtet geht es bei Kinderarmut um die Armut der Eltern. Wir
brauchen Löhne, von denen Familien leben können. Prekäre Beschäftigung wie Leiharbeit,
Teilzeit und Minijobs muss zurück gedrängt, der Mindestlohn in einem ersten
Schritt auf mindestens 12 Euro erhöht werden. Ebenso müssen bessere Kinderbetreuungsangebote geschaffen
werden, insbesondere in den so genannten Randzeiten. Vor allem auch für
Alleinerziehende muss deutlich mehr getan werden.“   


[1] Zum 1.
Januar 2005 wurden mit dem Vierten Gesetz für moderne Dienstleistungen am
Arbeitsmarkt (BGBl. I 2003, 2954) Arbeitslosenhilfe und Sozialhilfe zum
Arbeitslosengeld II (ALG II) zusammengelegt. Um einer Situation vorzubeugen, in
der Familien allein wegen ihrer Kinder in die neue Leistung Arbeitslosengeld II
wechseln, wurde gleichzeitig ein Kinderzuschlag eingeführt. Der Kinderzuschlag
ist für die Eltern vorgesehen, die zwar mit eigenem Einkommen ihren
(elterlichen) Bedarf abdecken, jedoch ohne den Kinderzuschlag wegen des Bedarfs
der Kinder Anspruch auf Arbeitslosengeld II hätten. Der Kinderzuschlag wurde mit dem
Starke-Familien-Gesetz grundlegend ausgebaut. Durch den „Notfall-KiZ“
wurde im Zuge der Corona-Krise der Zugang erleichtert.


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