Sabine Zimmermann, MdB: Internationaler Tag der Menschen mit Behinderungen am 3. Dezember: Fast jeder fünfte Mensch mit Beeinträchtigungen ist in Deutschland armutsgefährdet – Arbeitslosenquote von Menschen mit schweren Behinderungen deutlich höher als allgemein

Im Jahr 2017 gab es rund 12,8 Mio. Menschen mit Beeinträchtigungen[1]. Von diesen hatten 18
Prozent bzw. rund 2,3 Mio. ein Einkommen unterhalb der Armutsrisikoschwelle. Damit
ist die Armutsgefährdung von Menschen mit Beeinträchtigungen höher als die von Menschen
ohne Beeinträchtigungen, bei denen die Armutsgefährdungsquote bei 15 Prozent
lag.

Im Vergleich zum Jahr 2009 ist die Armutsgefährdungsquote von Menschen
mit Beeinträchtigungen angestiegen. Damals lag sie noch bei 16 Prozent. Rund
1,9 Mio. Menschen hatten ein Einkommen unterhalb der Armutsrisikoschwelle. Von
den Menschen ohne Beeinträchtigungen waren es wie 2017  15 Prozent.

Datengrundlage ist der Mikrozensus, der Informationen für Menschen mit
Beeinträchtigungen alle vier Jahre bereitstellt.

Die Arbeitslosenquote
schwerbehinderter (und ihnen gleichgestellter) Menschen[2]
lag im Jahr 2019 bei 10,9 Prozent. Die
für alle Arbeitslosen betrug 6,2 Prozent im Jahr 2019.

Dies geht aus der Antwort der Bundesregierung auf eine Anfrage der Bundestagsabgeordneten
Sabine Zimmermann anlässlich des Internationalen Tages der Menschen mit
Behinderungen am 3. Dezember hervor. Die Sozialexpertin und arbeitsmarktpolitische
Sprecherin der Fraktion DIE LINKE erklärt dazu:

„Die Bundesregierung muss grundsätzlich mehr im Kampf gegen Armut tun,
die im Zuge der Corona-Pandemie weiter zunimmt. Dazu gehören insbesondere
existenzsichernde Sozialleistungen. DIE LINKE fordert eine sanktionsfreie
Mindestsicherung, die wirklich vor Armut schützt und Teilhabe ermöglicht. Es
muss auch endlich etwas Wirksames gegen die Benachteiligung von Menschen mit
Behinderungen am Arbeitsmarkt getan werden. Arbeitslosigkeit ist der Hauptgrund
für Armut. Von einem inklusiven Arbeitsmarkt ist Deutschland weit entfernt. Die
Bundesregierung muss unter anderem
die Pflichtquote zur Beschäftigung von Menschen mit Behinderungen von 5 auf 6
Prozent erhöhen, aber auch die Ausgleichsabgabe. An die Arbeitgeber appelliere
ich, mehr Menschen mit Behinderungen eine Chance zu geben.“  


[1]
Als beeinträchtigt gelten Personen mit einer
anerkannten Behinderung und chronisch kranke Menschen, ohne dass eine
Behinderung anerkannt wurde.

[2] Ab
einem Grad der Behinderung (GdB) von 50 gilt ein Mensch als schwerbehindert.
Wenn der festgestellte Grad der Behinderung mindestens 30, aber weniger
als 50 ist, kann man schwerbehinderten Menschen gleichgestellt werden.


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