Selbstständig und angestellt: Hunderttausende machen beides

Die Augsburger Allgemeine berichtet über die Antwort der Bundesregierung zu einer Anfrage der Bundestagsabgeordneten Jessica Tatti, die ihren Fokus auf die Veränderungen in der Arbeitswelt legt:

Firmen lagern Bereiche aus, Kunden vertrauen auf Plattformdienste für Lieferungen oder Reinigung: Auch deshalb ist die Zahl der Selbstständigen in Deutschland stark gestiegen. Vielen reicht ein Job allein nicht aus.

Hunderttausende Menschen in Deutschland
gehen einem normalen Job nach und sind gleichzeitig noch selbstständig:
So hatten zuletzt rund 764.000 Erwerbstätige neben ihrer
Selbstständigkeit noch eine abhängige Beschäftigung.

Seit 1994 hat sich die Zahl fast verdreifacht. Damals waren es noch 262.000. Das zeigt die Antwort der Bundesregierung auf eine Linken-Anfrage, die der Deutschen Presse-Agentur in Berlin vorliegt. Die jüngste Zahl stammt aus dem Jahr 2018.

Bis
2017 war die Zahl der Erwerbstätigen, die selbstständig und zugleich
abhängig beschäftigt waren, mit Schwankungen auf 794.000 gestiegen. Am
häufigsten sind Jüngere “hybrid selbstständig”: Rund 30 Prozent der
Selbstständigen im Alter von 15 bis 34 gingen auch einer abhängigen
Beschäftigung nach. Insgesamt waren es 16,4 Prozent, 1994 erst 7,4
Prozent der Selbstständigen.

2,23 Millionen Menschen waren 2018 solo-selbstständig,
arbeiteten also ohne Mitarbeiter. Die Zahl der Solo-Selbstständigen
stieg von 1,45 Millionen 1994 auf 2,45 Millionen 2012. Dann ging die
Zahl mit Schwankungen wieder zurück.

Dass die Zahl der
Solo-Selbstständigen bis 2012 stark gestiegen ist, geht laut der Antwort
des Bundesarbeitsministeriums unter anderem auf “die verstärkte Tendenz
zu Auslagerungen bestimmter Funktionen an Freiberuflerinnen und
Freiberufler” zurück. Der seitherige Rückgang sei auf die günstige
Konjunktur zurückzuführen.

Laut Deutschem Institut für
Wirtschaftsforschung ist ein Grund für die zahlreicheren
Solo-Selbstständigen die Förderung von “Ich-AGs” durch die Bundesagentur
für Arbeit ab dem Jahr 2003. Viele Solo-Selbstständige kämen über
Einkünfte im Niedriglohnsektor nicht hinaus.

Die Zahl der
Selbständigen insgesamt stieg von 3,5 Millionen im Jahr 1994 auf rund
4,7 Millionen im Jahr 2018. 2012 gab es mit 4,9 Millionen einen
Höchststand an Selbständigen. Seit 2012 sind die Zahlen wieder
rückläufig.

Die Expertin der Linken-Fraktion für den Wandel in der
Arbeitswelt, Jessica Tatti, die die Anfrage gestellt hatte, forderte
mehr sozialen Schutz für Selbstständige. “Die unsägliche Masche von
Unternehmen, Arbeit aus Kostengründen aus dem Betrieb auszulagern, ist
seit Jahren zu beobachten”, kritisierte sie. “Oft leisten dann
Solo-Selbstständige die gleiche Arbeit wie zuvor abhängig Beschäftigte,
mit dem gravierenden Unterschied, dass sie keine vom Arbeitgeber
mitfinanzierte Renten- und Krankenversicherung haben, keine
Lohnfortzahlung im Krankheitsfall, keine gesetzlichen Urlaubsansprüche,
keine Mitbestimmung und keinen Mindestlohn.”

Vor allem bei
Onlineplattformen sei Selbständigkeit oft unfreiwillig und prekär, sagte
Tatti. Gemeint sind Internetdienste etwa für Lieferungen, Transport
oder Reinigung. “Für die Menschen sind das meist Phasen ohne Absicherung
fürs Alter.” Ein großer Teil der Solo-Selbstständigen verdiene weniger
als den Mindestlohn, die wenigsten seien überhaupt über eine
Altersvorsorge abgesichert. Deshalb müssten auch Selbständige in der
Rentenversicherung abgesichert sein. Entsprechende Pläne hatte auch
Arbeitsminister Hubertus Heil (SPD) angekündigt. (dpa)

Die Augsburger Allgemeine berichtet über die Antwort der Bundesregierung zu einer Anfrage der Bundestagsabgeordneten Jessica Tatti, die ihren Fokus auf die Veränderungen in der Arbeitswelt legt: Firmen lagern Bereiche aus, Kunden vertrauen auf Plattformdienste für Lieferungen oder Reinigung: Auch deshalb ist die Zahl der Selbstständigen in Deutschland stark gestiegen. Vielen reicht ein Job allein nichtRead More